Gott glaubt an den Menschen PDF

Allgemeinwissen, dass die Zehn Gebote keinen speziellen religiösen Charakter haben, sondern gott glaubt an den Menschen PDF für alle Menschen seien. Das gilt ganz klar für die letzten sieben Gebote, die das Zusammenleben der Menschen ordnen. Diese Gebote sind tatsächlich Grundlage der meisten modernen Staaten und deren bürgerliche Gesetzgebung.


Författare: Mouhanad Khorchide.
Wir benötigen einen globalen Humanismus, der die Menschen als weltumspannende Familie würdigt. Indem er seine eigenen Potenziale erkennt, kann der Islam hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Mouhanad Khorchide lenkt den Blick auf einen Gott, der an den Menschen glaubt und ihn in seiner Freiheit ernst nimmt. Ein mutiges Buch, das die radikale These vertritt: »Gott ist ein Humanist.« Khorchide entfaltet hier einen Islam, der eine notwendige Quelle eines globalen Humanismus darstellt.

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren! Dennoch sind gerade diese Gebote keineswegs irrelevant für unsere moderne Welt – ja, sie sind sogar der Grund dafür, dass es unsere moderne Welt, die Naturwissenschaften und den modernen Staat überhaupt gibt. Diese Katechese ist der zweite Teil von drei zusammenhängenden Katechesen zu den ersten drei Gebote. Vorbemerkung: Wenn das erste Gebot verbietet, die Welt zu vergöttlichen, dann kann man das zweite Gebot in der Konsequenz als Verbot, Gott zu verweltlichen bezeichnen. Das zweite Gebot: Gott ist nicht der Diener unserer Welt. Verzwecke also Gott nicht für dein Wohlergehen!

Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht. Ich rufe Gott als Zeugen an! Meineide hatten in früheren Gesellschaften ohne ausgefeiltes Gerichtswesen viel verheerendere Folgen als heute. Der rechte Gebrauch des göttlichen Namens. Das Verbot, den Namen Gottes zu missbrauchen, setzt allerdings voraus, dass es schon grundsätzlich möglich war, im Namen Gottes zu handeln oder zu reden.

Fluch grundsätzlich oder der Segen, sondern das Verfluchen eines unschuldigen Menschen oder der Segen über eine gottwidrige Sache. Ich sage euch: Schwört überhaupt nicht! Christ grundsätzlich zu höchster Wahrhaftigkeit verpflichtet. Nicht etwa nur, wenn er zuvor den Namen Gottes angerufen hatte oder sein Wort durch Handschlag oder ähnliche Bekräftigungen besiegelte. Der Namen Gottes steht in diesem Gebot zunächst für Gott selbst. Wer den Namen Gottes verunehrt, der verunehrt Gott.

Jedoch ist die Verwendung von Namen Gottes als Synonym für Gott nicht einfach nur eine sprachliche Variante, sondern schon eine religionsgeschichtlich wichtige Unterscheidung. Das Judentum hat verstand Gott als so jenseitig und transzendent, dass es sich scheute, ihn direkt in dieser Welt zu lokalisieren. Das wurde zum Beispiel im Tempel in Jerusalem gefeiert, in dem nur einmal jährlich einer der Tempelpriester, der per Los ausgewählt wurde, in das Allerheiligste treten durfte, dort das Opfer darbringen musste und nur dort den Namen Gottes dreimal aussprechen durfte. Nur durch diese Zeremonie wurde der ausgesprochene Name Gottes vom Priester an seinen Nachfolger weitergegeben. Mächte dieser Welt, die man auf irgendeine Weise handhaben könnte: Der Flussgott muss besänftigt werden, der Wettergott gnädig gestimmt und der Kriegsgott erhält den Anteil an seiner Beute. Im Film Schwester Sonne, Bruder Mond über den Heiligen Franziskus wird dessem Vater der Gedanke in den Mund gelegt, nach einem Krieg von Assisi gegen Perugia vom erhofften Gewinn immer auch eine entsprechende Summe zur Tilgung der Sünden und dem Gewinn eines Ablasses abzuziehen.

Religion und Moral als ein Buchungsposten im Geschäftsbetrieb: Das gab’s leider noch im Christentum, war jedoch in vorchristlichen Religionen üblich. Diese veränderte Sichtweise ist durchaus epochal und bis in die heutige Zeit bestimmend für unser religiöses Denken. Die heute selbstverständliche und staatlich garantierte Religionsfreiheit ist nur haltbar, wenn Religion eine Liebesentscheidung ist. Wäre Gott nicht in aller Freiheit zu lieben, sondern um des Wohlergehens seines Volkes willen zu verehren, müsste jeder in diesem Land seinen Teil dazu beitragen – alles andere wäre ein Schaden am Volk. Die Befreiung der Religion aus der Zweckhaftigkeit bedeutet also auch eine Befreiung des Menschen aus dem staatlichen und wirtschaftlichen Zwang zur Religion. Ein Gedanke, der sich nur langsam im Judentum und auch im Christentum durchgesetzt hat und bis heute noch nicht in allen Religionen angekommen ist.

Wenn Gott und Menschen listige Vertragspartner bzw. Verhandlungsgegner wären, die jeweils versuchen, sich den anderen zunutze zu machen, wäre der Mensch verloren. Denn letztlich ist Gott eben Gott und somit allmächtig, allwissend und allgegenwärtig. Der Mensch dagegen wäre hoffnungslos verloren bei einem solchen Verhandlungspartner.

So ähnlich muss sich wohl Bruce am Anfang des Films Bruce allmächtig gefühlt haben: Gott ist allmächtig – und allein das ist schon nicht fair. Die Vorsehung vor, der schließlich erkennt, dass ein ihm weitaus überlegener anderer Hellseher immer einen Schritt voraus ist – und sogar seinen Widerstand und seine Verzweiflung plant und verzweckt. Nein: Gott ist kein Konkurrent zum Menschen, weshalb der Mensch Gott auch nicht besänftigen, ermuntern oder gnädig stimmen kann. Anteil erhalten an der Freiheit Gottes. Wenn wir die Heiligkeit des Namens Gottes schützen, dann beschützen wir letztlich unsere eigene Berufung zur Heiligkeit. Möglichkeit zu verschließen, an Gottes Heiligkeit Anteil zu erhalten.

Denn die Heiligkeit Gottes bedeutet nicht einfach nur die Andersheit Gottes, sondern Seine Freiheit zur Andersheit. Gott ist nicht einfach das Gegenteil von allem, was in der Welt ist, sondern er ist derjenige, der die Freiheit hat, anders als die Welt zu sein. Aber – das ist das Geheimnis, das schließlich sogar zur Menschwerdung Gottes führte – Gott hat auch die Freiheit, sich in diese Welt zu begeben. Gott ist der, der der Welt gegenüber frei ist. Wer keinen eigenen guten Rufe zu verlieren hat, greift vielleicht zum Namen Gottes, um die Wahrhaftigkeit einer Aussage an dessen guten Ruf zu binden.