Globalisierung – Herausforderung an die Wirtschaftspolitik. PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Globalisierung – Herausforderung an die Wirtschaftspolitik. PDF, L 13, 17, 68313 Mannheim.


Författare: Renate Ohr.
Wirtschaftliche Aktivitäten erfolgen heute im Rahmen einer weltweiten Vernetzung der Gütermärkte, der Geld- und Kapitalmärkte, der Arbeitsmärkte, der Kommunikation und der Information. Dieser Prozess bietet die Chance eines wachsenden Wohlstandes, aber er ist auch mit Risiken verbunden. Die Bewältigung dieser Risiken stellt für die Wirtschaftspolitik eine neue Herausforderung dar. Dies war der Hintergrund des Symposiums "Globalisierung – Herausforderung für die Wirtschaftspolitik", das am 9. und 10. Oktober 2003 an der Universität Göttingen stattfand. Das vorliegende Buch dokumentiert das wissenschaftliche Ergebnis dieser Veranstaltung.
Die Beiträge konzentrieren sich auf die derzeit auch in der öffentlichen Diskussion vielfach angesprochenen Themen: Steuer- und sozialpolitische Aspekte des zunehmenden globalen Wettbewerbs, Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer sowie Überlegungen zu globalen ordnungspolitischen Vorgaben. Weitgehende Übereinstimmung wird darüber erzielt, dass die Globalisierung keine zusätzlichen, länderübergreifenden Regulierungsmaßnahmen erforderlich macht. Multilaterales Ordnungspotential besteht vor allem darin, wettbewerbsverzerrende Maßnahmen, die meist zulasten der schwachen Länder gehen, zu verhindern. Die bisherigen empirischen Untersuchungen zur Globalisierung zeigen darüber hinaus keinen "race to the bottom" in der Steuer- oder Sozialpolitik und keine Verstärkung der Ungleichheit zwischen den Volkswirtschaften infolge einer Integration in den globalen Wettbewerb. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass durch die Globalisierung zunehmend "exit-Optionen" entstehen, so dass einer äquivalenzorientierten Besteuerung künftig eine größere Relevanz zukommen dürfte.

Auswirkungen des demografischen Wandels Der demografische Wandel ist eine Herausforderung für das ganze Wirtschaftssystem. Seine ökonomischen Auswirkungen sind jedoch kein Schicksal, sondern können mit Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungsreformen zu Chancen umgewandelt werden. Jahrhunderts, der die politische, soziale und ökonomische Situation unseres Landes entscheidend verändern wird. In 25 Jahren wird jeder dritte Bürger Deutschlands über 60 Jahre alt sein. Anteilsmäßig sind dies mehr als doppelt so viele pro Kopf der 20- bis 60-Jährigen wie heute. Dies ist ein dramatischer Strukturwandel der deutschen Bevölkerung.

Wird unser Lebensstandard sinken, weil die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zurückgeht? Oder wird der Produktivitätsfortschritt auch weiterhin für einen steigenden Lebensstandard sorgen? Könnte der bislang „natürliche“ Produktivitätsfortschritt durch die Alterung vermindert oder gar gestoppt werden, weil den Alten die Ideen ausgehen? Leider hat sich in Deutschland eine eher pessimistische Sicht eingestellt. Der demografische Wandel wird von den meisten als Bedrohung, die gesetzliche Rente als Auslaufmodell und das deutsche Gesundheitssystem nur als Kostenfaktor gesehen. Ich halte dies für eine Fehleinschätzung.

Ob der dramatische Strukturwandel unseren Lebensstandard und unseren Sozialstaat bedroht, ist daher keineswegs ausgemacht, sondern hängt von unseren künftigen wirtschafts-, sozial- und arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen und unserer Reaktion auf diese politischen Maßnahmen ab. Dieser Beitrag umfasst also spannende, hoch politische und daher sehr kontroverse Themen. Im folgenden Abschnitt werden zunächst die demografischen und ökonomischen Rahmendaten geschildert, um die Herausforderung des demografischen Wandels und mögliche Lösungsansätze zu charakterisieren. Anschließend werden die ökonomischen Auswirkungen detailliert dargestellt, um diesen dann Lösungsansätze gegenüberzustellen.