Augenblicke im Paradies PDF

Wie kann es einen Gott geben, wenn die Welt so offensichtlich ungerecht, leidvoll und sinnlos ist? Das ist, auf einen Satz reduziert, die Frage der „Theodizee“. Frage ist, aber von ungemein persönlicher Bedeutung. Menschen, die unfassbares Leid erlebten, stehen vor dieser Augenblicke im Paradies PDF nicht zuerst als philosophisch Interessierte, sondern als ins Herz Getroffene.


Författare: Urs Faes.

"»Augenblicke im Paradies«: Das sind jene Momente scheinbar unverfänglichen Glücks in der Kindheit – an die wir uns, erwachsen geworden, so wehmütig wie gerne erinnern. Der neue Roman von Urs Faes ist ein Buch der Erinnerung.

Mit den Augen eines Kindes, des Knaben Steff, erzählt er von den fünfziger Jahren am schweizerischen Jurasüdfuß, spürt er einer Kindheit und dem Leben von Erwachsenen nach, die immer noch befangen sind im Argwohn und den Ängsten des vergangenen Krieges. Es sind zunächst Männergestalten, Vätergestalten, die das Leben des Kindes und des Heranwachsenden prägen: der Vater, ein wortkarger Mann, der nach dem Verlust seines Bauernhofes und der Anstellung in einem Süßwarenbetrieb sich in jungen Jahren schon in die Krankheit, in ein langes Sterben zurückzieht. Direktor Brockendorff ist ein aus dem Schwäbischen in die Schweiz gegangener Süßwarenfabrikant. Zwischen volkseigener Bonbonproduktion im Osten und dem Siegeszug des Kaugummis im Westen droht die Brockendorffsche Karamelle zu verschwinden.

Gemeinsam mit dem aus Schlesien vertriebenen Bruder Horst versucht Brockendorff die Reconquista der abendländischen Karamellenproduktion – und Aromen evozieren ihnen paradiesisch-süße Augenblicke. Die Verheiratung des Brockendorffbruders Horst mit einer Tante des jungen Steff läßt die Süßwarenproduktion in die Familie einziehen: Steff beginnt die Jahre nach den saisonalen Geschmacksrichtungen zu taufen. Und so heißen auch die vier Kapitel in Urs Faes’ Roman, wenn Aromengeschichte sich mit Zeitgeschichte durchdringt: Himbeergeist, cinquasiarot; Amarena; Bittermandel; Lakritzenschwarz."

Eine Antwort auf diese Frage darf das nicht ignorieren: Es geht nicht nur um eine rationale Auflösung eines Widerspruches zwischen dem guten Gott und den verstörenden Ereignissen dieser Welt. Ich hoffe, mit dieser Katechese einem solchen Anspruch einigermaßen gerecht zu werden und bitte jetzt schon um Entschuldigung, falls mir das nicht gelingt. Auch bitte ich um etwas Geduld: Der erste Teil der Katechese ist nüchtern, sachlich und eher philosophisch. Aber keine Sorge: Ich verliere den Anspruch, neben einer Antwort auch Trost zu finden, nicht aus den Augen. Versuche, sich der Theodizee zu nähern und ein wenig Heilung, zumindest aber Linderung des Schmerzes, den das Leid verursacht, zu schenken.

Buch über einen Vater, dessen Kind entführt und ermordet wird und seine Auseinandersetzung mit Gott. Teile habe ich für diese Katechese übernommen – die anderen Teile sind auch lesenswert. Nicht alle, die vom „großen, unlösbaren Problem der Theodizee“ in der Theologie hören, können die Brisanz nachvollziehen. Nun will ich niemandem ein Problem einreden, das er selbst nicht hat. Durch diese Beschreibung des Theodizee-Problems wird zudem deutlich, dass wir in der Frage nach Gott immer schon den christlichen Gott vor Augen haben, von dem es heißt, er sei gut und liebevoll. Angesichts des Leids in der Welt stellt sich nämlich nicht die Frage nach der Existenz eines Gottes – sondern nur die Frage nach seiner Güte und Allmacht.

Denn: Vielleicht gibt es trotz allen Leids einen Gott, der aber nicht gut, sondern bösartig und grausam ist? Das Theodizeeproblem ist also kein universelles Rätsel: Es ist ein spezielles Problem der Religionen, die an einen personalen, guten und allmächtigen Gott glauben. Für Atheisten stellt sich die Frage nicht: Wenn kein Gott existiert, braucht man seine Güte und Allmacht auch nicht zu verteidigen. Das Defizit der mangelnden Erklärung für das So-sein der Welt im Buddhismus sieht der Buddhist selbst nicht: Für ihn ist die ganze Welt Teil der Illusion, die mich nur solange bedrängt, wie ich an ihr festhalte. Auch das Judentum hat seine Lösung gefunden, die im Leid die Konsequenz menschlichen Verhaltens sieht. Allerdings denkt die jüdische Theologie weniger in den Kategorien des Individuums, sondern denkt ausdrücklich die Möglichkeit, dass das ganze Volk Israel für die Sünden einzelner zu leiden hat. Das größte Problem stellt die Theodizeefrage für die Christen dar, die an einen vernünftigen und zugleich gütigen, allmächtigen, allwissenden und dem Menschen zugewandten, aktiven Schöpfergott glauben.

Wenn Gott gut ist, kann er nicht auch allmächtig sein: Denn wenn er das Leid verhindern will, es aber dennoch existiert, kann das nur heißen, dass er das Leid nicht verhindern kann. Wenn Gott allmächtig ist, kann er nicht auch gut sein: Denn wenn Gott das Leid verhindern kann, es aber dennoch existiert, bedeutet dies, dass er es nicht verhindern will. Wenn Gott aber nicht allmächtig ist – oder nicht gut -, dann ist er auch kein Gott. Wenn Gott aber sowohl gut, als auch allmächtig ist, wenn Gott also das Leid sowohl verhindern will und es auch kann: Woher kommt dann das Leid? Auch wenn Epikur kein Christ war und zwischen einem sophistischen und einem mythologischen Gottesbild seiner Zeit stand, so hat er schon klar vor Augen: Gott ist nur Gott, wenn er auch allmächtig und gut ist.