Zur politischen Identität der Europäischen Staatengemeinschaft PDF

Im Diskurs um eine österreichische Identität und Nation sind geistesgeschichtlich viele verschiedene, einander teils widersprechende Konzepte entwickelt worden. Jahrhundert entwickelte, moderne österreichische Identität wird auch mit einem speziellen Österreich-Bewusstsein in früheren Jahrhunderten in Verbindung gebracht. Gerade nach 1945 zur politischen Identität der Europäischen Staatengemeinschaft PDF eine neue Identität vor allem in Abgrenzung zum spezifisch österreichischen Deutschnationalismus entwickelt. Eine direkte Linie vom dynastischen Österreich-Bewusstsein zum damaligen Österreich-Bewusstsein bestand dabei durch die Verwerfungen der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkrieges nicht.


Författare: Johannes Pollak.

Die Arbeit unternimmt den Versuch, grundlegende Merkmale kollektiver Identität auszumachen. Eine Bestimmung der verschiedenen Kontexte strukturiert die Verschränkung von personaler und kollektiver Identität, verstanden als Balanceleistungen zwischen divergierenden Ansprüchen. In einer Analyse werden Handlungs-, Verantwortungs-, Abgrenzungs- und Legitimitätsfähigkeiten als notwendige Elemente definiert. Kollektive Identität ist in modernen Gesellschaften nur noch als politische konstruierbar. Sie beruht auf einem diskursiven Thematisierungs- und Willensbildungsprozeß und kann nur eine Momentaufnahme gesellschaftlicher Organisation und deren Repräsentation sein. Ethnos, Regnum, Imperium und Nationalstaat werden als Konstruktionen und Deutungsangebote der Politik verstanden. Abschließend wird die Frage thematisiert, inwieweit der Europäischen Union bereits kollektive politische Identität zukommt.

Thema österreichische Nation wurden und werden immer wieder politische Diskurse geführt. Wir können allerdings in diesem Zusammenhang den Begriff Identität nicht unhinterfragt verwenden. Denn der Begriff ist einerseits schwammig, andererseits derart hochkomplex und vielschichtig, daß für eine wissenschaftliche Analyse, die den vielen Komponenten österreichischer Identität gerecht werden möchte, ein interdisziplinärer Zugang unabdingbar geworden ist. Fiktion, eine metaphysische Begründung, warum die Österreicher auf der Welt sind. Besonders durch Unterrichtsminister Felix Hurdes wurde nach 1945 die Stärkung des österreichischen Deutsch, das von deutschnationalen Kritikern deshalb auch als Hurdestianisch verspottet wurde, vorangetrieben. Der Versuch, die nationale Eigenständigkeit über sprachliche Unterschiede zu definieren, ist dennoch schwierig und beschränkt sich auf die Standardsprache.

Katholische Weltauffassung und italienische Barocke prägten vom Siege der Gegenreformation bis Maria Theresia der österreichischen Kultur ihren Charakter auf, protestantische Weltanschauung und französischer Klassizismus beherrschten bis zum Schluß von Gottscheds Diktatur das Geistesleben Deutschlands. Einen nationalen Identifikationsfaktor stellt die österreichische Kultur aber erst seit Mitte des 20. Obwohl Österreich in der Vergangenheit vor allem als katholisches Gegenstück zum protestantischen Preußen verstanden wurde, scheitert eine religiöse Definition des österreichischen Nationsbegriffs nicht nur am säkularen Fundament der Republik, sondern mittlerweile auch an der mangelnden religiösen Homogenität. Beim Ethnos handelt es sich, so die Ansicht mancher Ethnologen, im Gegensatz zum Nationsbegriff um eine primordiale, also vom Einzelnen unabhängige Bindung. Mußte doch eine nationale Identität auf einer nicht scharf definierbaren Ethnie aufgebaut werden. Die meisten Historiker und Ethnologen sehen heute den Begriff Volk als keine permanente und konsistente Gruppe von Menschen mit gemeinsamer Abstammung an. Die Vorstellung von genealogisch einheitlichen Völkerschaften wird als nazistischer Mythos angesehen.