Werte. Was die Gesellschaft zusammenhält. PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Werte. Was die Gesellschaft zusammenhält. PDF der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn und Akademischer Direktor am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Lennéstraße 25, 53113 Bonn. Ein Blick zurück nach vorn Nein, politische Orientierungsmythen zur Stabilisierung und zum Zusammenhalt von freiheitlichen Gesellschaften lassen sich nicht verordnen, erst recht nicht staatlicherseits erzwingen. Die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen sich Deutschland heute konfrontiert sieht, sind groß.


Författare: Liz Mohn.
Eine immer schneller voranschreitende Globalisierung hat viele Menschen verunsichert; kulturelle Auseinandersetzungen haben durch die Terroranschläge des 11. September 2001 ihr zerstörerisches Potential offenbart; zunehmend heterogene westliche Gesellschaften fühlen sich häufig bedroht von einer offensiven islamischen Religiosität. Das säkulare Selbstbewusstsein der westlichen Moderne ist ins Wanken geraten. Vor diesem Hintergrund ist Religion, und damit verbunden die Frage nach Werten, zu einem der gesellschaftlichen Großthemen aufgestiegen. Es schält sich mehr und mehr die Überzeugung heraus, dass nur eine klare Werteorientierung dem Leben Halt gibt und dass dieser Halt unter den Bedingungen einer beschleunigten Globalisierung dringender vonnöten ist als zu früheren Zeiten. Die Bedeutung der geistigen Orientierung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hat auch Reinhard Mohn immer wieder betont. Er verdeutlichte, dass Werte nicht nur in Reservaten des Religiösen hervorgebracht werden, sondern in allen Institutionen einer Gesellschaft entstehen. Anlässlich des 85. Geburtstags von Reinhard Mohn haben sich daher 16 Autoren in dem vorliegenden Band eingehend mit dem Thema Werte beschäftigt – um Antworten, aber auch Anregungen für neue Denkansätze zu geben.

Während die Zahl der Bürger, die als arm gelten, über Jahre gestiegen ist, verfügt ein prozentual kleiner Anteil der Bevölkerung von zehn Prozent inzwischen über zwei Drittel des Privatvermögens in Deutschland. Es geht mithin um das Wertefundament, welches die in der Verfassung niedergelegten Grundsätze zum Staat-Bürger-Verhältnis zugleich stabilisiert und transzendiert. Jenem Fundament, dessen Ausgestaltung sich in der Antike Cicero, im Mittelalter unter anderem Thomas von Aquin und in der Neuzeit Émile Durkheim, Talcott Parsons, Friedrich August von Hayek, Jürgen Habermas und Robert Bellah bereits mit je unterschiedlichen Akzenten gewidmet haben. Warum und weshalb zu diesem Zeitpunkt?

Staat kein Geld mehr hatte und die Reformagenda 2010 eines rhetorischen und symbolischen Überbaus bedurfte. Kennedys patriotische Wendung „Frag’ nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“ sinngemäß gut geeignet. Die Ironie der Geschichte: Mit Schröder setzte ausgerechnet einer der seinerzeit vehementesten Kritiker jener vermeintlich neokonservativen Tendenzwende Kohls unter veränderten Rahmenbedingungen und unter der selbstbewussten Etikettierung des Patrioten einen umfassenden politischen und gesellschaftlichen Prozess in Gang, dessen Resultate auch Jahre später noch nicht vollständig absehbar, wenn auch in ersten Konturen erkennbar sind. Entscheidend ist, dass sich Ton und Tenor in der politischen und gesellschaftlichen Debatte um das Selbstverständnis der Bundesrepublik und um die Frage, was diese jenseits von Institutionen, Verfahren, Beiträgen und Quoten zusammenhält, verändert haben. Sache willen nur sinnvoll und hilfreich sein konnte. Neujustierung des Verhältnisses zwischen Staat und Bürgergesellschaft, die wiederum keineswegs und unter keinem patriotischen „Deckmäntelchen“ eine Abkehr von fundamentalen Prinzipien des Sozialstaats oder gar dessen Rückbau zum Nachtwächterstaat bedeuten darf.

Erstaunlich, ermutigend und erklärungsbedürftig zugleich: Warum erfährt der Bundesfreiwilligendienst unter dem Motto „Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden“ nur ein Jahr nach seiner Einführung einen solchen Zuspruch? Warum erleben nachbarschaftliche Selbsthilfegruppen oder auch kirchliche Sozialeinrichtungen einen solchen Zulauf, wie seit einiger Zeit zu verzeichnen ist? Rahmenbedingungen zur Entfaltung dieser bürgerschaftlichen Ressourcen schafft, erhält und den jeweiligen Wandlungen und Herausforderungen anpasst. Wohl wissend, dass er diese Kultur der Freiwilligkeit als Humus zur Entstehung und Verstetigung elementarer Werte seinerseits nicht substituieren kann.

Ebenso sollte er auch im gegebenen bildungspolitischen Föderalismus, dem Geschichts- und Sozialkundeunterricht jenen wichtigen Stellenwert einräumen, der diesem gerade in Zeiten der Globalisierung zukommt. Egal, ob „Patriotismus“, „Verfassungspatriotismus“ à la Habermas, ob „kosmopolitischer“, „vernunftgemäßer Patriotismus“ oder „Patriotismus 2. Umschreibungen variieren, der Kerngedanke einer zeitgemäßen Konnotation von Freiheit und Bindung, von Freiheit und Solidarität im Horizont von Universalismus und Partikularismus ist derselbe. Es trägt ebenfalls der Notwendigkeit und der Herausforderung Rechnung, im Horizont von Universalismus und Partikularismus das prekäre Verhältnis von Freiheit und Bindung, von Freiheit und Solidarität, von Versicherung und Vertrauen human zu gestalten. Um letzteres geht es, um Gestaltung, Mitwirkung, Mitmachen. Aus Verständnis soll Veränderung, aus Freiheit Verantwortung, aus Einsichten sollen Taten folgen.

Im Großen wie im Kleinen, im politischen wie vorpolitischen Raum. Herfried Münkler, Die Deutschen und ihre Mythen, Berlin 2008. Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Videos finden sich direkt bei den Abbildungen. Wie Sie dem Web-Tracking widersprechen können sowie weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Die Notwendigkeit einer Leitkultur in Deutschland begründet Tibi damit, dass hier Identität durch Ethnizität definiert sei und dass Deutschland als Kulturnation Einwanderern keine Identität bieten könne.

Zu jeder Identität gehört eine Leitkultur! Für Tibi ist eine Leitkultur im Sinne eines Wertekonsenses als Klammer zwischen Deutschen und Migranten unerlässlich. In anderen Demokratien sei es selbstverständlich, dass ein Konsens über Werte und Normen als Klammer zwischen den im Gemeinwesen lebenden Menschen, unabhängig von ihrer Religion, Ethnie oder Ursprungskultur, nötig sei. Islamisten glaubten, Europa islamisieren zu können. Im Rahmen der Debatte über Integration von Migranten in Deutschland regte Bassam Tibi an, eine solche europäische Leitkultur für Deutschland zu entwickeln. Er sprach sich für Kulturpluralismus mit Wertekonsens, gegen wertebeliebigen Multikulturalismus und gegen Parallelgesellschaften aus.

2006 distanzierte er sich wieder davon. Zu einer breiten öffentlichen Diskussion kam es, als Friedrich Merz, damals Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag, am 25. Oktober 2000 in der Welt Regeln für Einwanderung und Integration als freiheitlich-demokratische deutsche Leitkultur forderte und sich gleichzeitig gegen Multikulturalismus wandte. Im Oktober 2000 hatte Merz die politische Variante des Leitkultur-Begriffes im Rahmen der Debatte über die Änderung des Einwanderungsrechts formuliert, um damit notwendige Regeln für Einwanderung und Integration als freiheitliche demokratische deutsche Leitkultur zu begründen.

Er argumentierte damit gegen Multikulturalismus und Parallelgesellschaften. In der Folge wurde zwischen Opposition und Regierungskoalition Kritik vor allem seitens der Koalitionsparteien laut. Einwanderungspolitik müsse es um Integration, nicht um Assimilation der Zuwanderer gehen. Februar 2006 in muslimischen Ländern mit meist gewalttätigen Protesten und Gewaltaufrufen von fanatischen Muslimen auf die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen reagiert worden war, erneuerte Lammert seine Forderung nach einer Debatte über Leitkultur. 2007 griff der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla den Begriff erneut auf, um ihn in das Parteiprogramm zu übernehmen. Im Grundsatzprogramm der CSU befindet sich seit dem 28.