Vespasian, Titus, Domitian PDF

Dieser Artikel behandelt den römischen Kaiser Vespasian. Zum Adoptivsohn des Domitian siehe Vespasian der Jüngere. Vespasian, Titus, Domitian PDF Originalporträt des Vespasian, das in den Anfangsjahren seiner Regierungszeit angefertigt wurde. Während seiner zehnjährigen Herrschaft gelang es ihm, das Reich sowohl politisch als auch finanziell zu stabilisieren.


Författare: Sueton.

Nach Neros Tod im Jahre 68 und dem unseligen Dreikaiserjahr 69 kamen die Flavier in Rom an die Macht. Während Vespasian (69-79) und Titus (79-81) als ‚gute‘ Kaiser gelten, die die Herrschaft konsolidierten, fällt das Urteil über Domitian (81-96) ungünstiger aus. Sueton berichtet jeweils alle wissenswerten biographischen Fakten und Anekdoten, wie sie ein Leser von einer Kaiservita erwarten durfte.

Er stellte seine Herrschaft in die julisch-claudische Tradition und knüpfte insbesondere an Augustus an, womit er sich zugleich deutlich von Nero abgrenzte. Vespasian wurde in der Nähe des heutigen Rieti geboren. Vespasian und sein Bruder Sabinus waren die ersten Mitglieder dieses Zweigs ihrer Familie, die senatorische Posten erlangten. Vespasian wuchs zeitweise bei seiner Großmutter väterlicherseits, Tertulla, auf einem Landgut bei Cosa auf.

Im Jahr 42 ging Vespasian nach Germanien und übernahm als Legionslegat das Kommando über die legio II Augusta. Seine Frau, Flavia Domitilla, war die ehemalige Mätresse eines Ritters und zunächst nicht im Besitz des vollen römischen Bürgerrechts. Angeblich durch den Einfluss Agrippinas, der Mutter Neros, bekleidete Vespasian während der ersten Jahre der Herrschaft des neuen Kaisers keine politischen oder militärischen Ämter. Nero machte Vespasian zu einem seiner offiziellen Gefährten, die ihn auf seiner Griechenlandreise, die im September 66 begann, begleiten mussten. Vespasian soll bei einem Auftritt Neros als Schauspieler eingeschlafen und dafür beim Kaiser in Ungnade gefallen sein, woraufhin er sich kurzzeitig zurückzog. So übernahm Vespasian das Kommando über die Niederschlagung des jüdischen Aufstands. Galba sich zum Kaiser hatte ausrufen lassen, ist nicht bekannt.

Juli 69 wurden die Getreidelieferungen aus Ägypten nach Rom eingestellt. Die Beendigung der Belagerung von Jerusalem legte er in die Hände seines Sohnes Titus. Mitte Dezember 69 lagen die flavischen Truppen 18 Kilometer vor Rom. Mucianus und Sabinus boten Vitellius die Abdankung mit einer Sicherheitsgarantie und einer Zahlung von 100 Millionen Sesterzen an. Ende standen 29 Legionen unter Waffen. Vespasian bewies dabei großes Fingerspitzengefühl und sorgte für die notwendige finanzielle Abfederung, ohne zu übertreiben.

Die Rheinlegionen entmachtete Vespasian, indem die großen Lager am Rhein abgebrochen und die Truppen auf kleinere Lager entlang der Grenzen verteilt wurden. Dabei wurde darauf geachtet, die Truppen möglichst inhomogen zu halten, so dass keine Volksgruppe innerhalb einer Einheit die Oberhand gewann. In Britannien wurde Vespasian bei der Grenzsicherung aktiv: Er leitete die endgültige Eroberung der Insel bis zur Grenze des heutigen Schottland ein. Auch im Osten arrondierte Vespasian die Grenzen. Vespasians Erfindungsreichtum bei der Vermehrung der Staatseinnahmen ist bekannt. So hatte er aufgrund der hohen Schulden, die Nero hinterlassen hatte, eine Latrinensteuer eingeführt. Als sich sein Sohn Titus bei ihm darüber beschwerte, hielt Vespasian Titus eine Münze hin, die aus dieser Steuer stammte.

Und dennoch stammt sie aus dem Urin. Tatsächlich übernahm Vespasian einen Staat, der nach den Eskapaden seiner Vorgänger und durch die Wirren des Vierkaiserjahres so gut wie bankrott war. Vespasian sanierte die öffentlichen Haushalte mit großem Erfolg, wobei er die Steuerfreiheit von Achaea, die Nero aufgrund seines Philhellenismus gewährt hatte, sofort wieder rückgängig machte. Hatte er zum Beginn seiner Amtszeit noch einen hohen Sanierungsbedarf ermittelt, so hinterließ er bei seinem Tod geordnete Kassen und keine Schulden. Seine Finanzpolitik wurde auch von Sueton und Tacitus gelobt. Vespasian, der öffentlich gerne behauptete, sich an der augusteischen Politik zu orientieren, betrieb in Wahrheit die zentralistische des Claudius.

Dem Prozessstau, der sich durch den Bürgerkrieg gebildet hatte, weil der Senat mit seinen Aufgaben nicht mehr fertigwerden konnte, begegnete Vespasian durch eine Verfahrensbeschleunigung. Die Romanisierung des Reiches machte, wie oben schon angesprochen, unter Vespasian einige Fortschritte. Vespasian war gewissenhaft und fleißig, wenn es um die Regierungsgeschäfte ging, darüber hinaus aber auch beim Volk beliebt. Er galt als bürgernah und uneitel, zumal er auf Kritik nicht mit der bei seinen Vorgängern üblichen Paranoia reagierte, sondern diese zumeist gelassen hinnahm. Dabei gab es gerade Widerstand aus philosophisch-intellektuellen Kreisen, denen besonders die erkennbare zentralistische Tendenz des Staates missfiel.

Diese wurde im Jahr 79 aufgedeckt. Durch gewaltige öffentliche Investitionen, vor allem auf dem Bausektor, kurbelte Vespasian die Wirtschaft des Römischen Reiches an, zumal von einem princeps Bauvorhaben in der Hauptstadt erwartet wurden. Anders als die meisten seiner Vorgänger starb Vespasian eines natürlichen Todes. Er weilte 79 gerade in Kampanien, als er erkrankte und sich zur Kur in ein Heilbad nahe seiner Heimatstadt begab. Juni 79 einen schlimmen Durchfall, der ihn beinahe ohnmächtig werden ließ. Er versuchte sich noch aufzurichten, was ihm allerdings nicht mehr gelang.

Sueton und Tacitus beschreiben Vespasian als bescheidenen Mann von mittlerer Größe und kräftiger Erscheinung mit einem allzeit angespannten Gesichtsausdruck. 70-jährige Augustus ließ sich in Standbildern als jugendlicher Held abbilden. Dagegen zeigen die Abbilder Vespasians wesentlich mehr Realismus und weniger Idealisierung. Wehe, ich glaube, ich werde ein Gott! Die wichtigsten Quellen zum Leben Vespasians sind Suetons Biografie über Vespasian und Cassius Dios Geschichtswerk, die die Zeit vom Jüdischen Aufstand bis zu Vespasians Tod behandeln, sowie die erhalten gebliebenen Inschriften und Münzen. Einleitung sowie mit Anmerkungen versehen von Otto Michel und Otto Bauernfeind, 3 Bde.

Ausführliche antike Biographie aus der Sammlung der Kaiserbiographien von Caesar bis Domitian. Zahlreiche Ausgaben, beispielsweise mit deutscher Übersetzung in: Gaius Suetonius Tranquillus: Sämtliche erhaltene Werke. Herausgegeben von Joseph Borst unter Mitarbeit von Helmut Hross und Helmut Borst. Karl Christ: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. Beck, München 2002, ISBN 3-406-36316-4, S. Stefan Pfeiffer: Die Zeit der Flavier.

A Companion to the Flavian Age of Imperial Rome. Jones: Egypt and Judaea under Vespasian. Teilweise findet sich auch der 24. Juni als Todestag, unter anderem bei Hermann Bengtson: Die Flavier, S.