Realismus und Wissenschaft PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Seminar für Politische Wissenschaft der Universität Bonn, Lennéstraße 25, 53113 Bonn. Diese habe zum Regimewechsel in der Ukraine geführt, zur russischen Übernahme der Krim und letztlich durch die Kampfhandlungen in der Ostukraine zur anhaltenden Destabilisierung des Realismus und Wissenschaft PDF. Dieses Bild vom russischen Präsidenten Wladimir Putin als rücksichtslosem Aggressor, der möglicherweise weitere Teile Europas erobern könnte, entbehrt nicht der Plausibilität.


Författare: Fynn Ole Engler.
Fynn Ole Engler diskutiert aus historischer und systematischer Perspektive die beiden Grundpositionen der modernen Wissenschaftstheorie, in deren zentralen Debatten sich realistische und naturalistische Auffassungen gegenüberstehen. Neben der Suche nach einer wissenschaftshistorisch adäquaten Methodologie wird die rationale Erklärung des anhaltenden empirischen Erfolgs der methodischen Wissenschaft als Hauptproblem in der wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Positionen identifiziert. Der Autor zeigt, daß sich anhand der wissenschaftlichen Methodologie, die neben einer Logik der Rechtfertigung auch eine Logik der Entdeckung enthält, für den strukturellen wissenschaftlichen Realismus als beste metaphysische Erklärung des stetigen empirischen Erfolgs in den Wissenschaften argumentieren läßt.

Aber reicht sie aus, um das russische Verhalten in der Ukraine-Krise vollständig zu erklären? Oder gibt es tiefer liegende Gründe, die Russlands Abkehr vom Westen und die neue imperiale Versuchung erklären? Haben Europa und die USA zu dieser Entwicklung beigetragen? Der Westen betrieb als logische Folge des Sieges über den Kommunismus eine Politik der Erweiterung von Europäischer Union und NATO, die sich allein schon aufgrund der dadurch vorangetriebenen Demokratisierung Osteuropas zu legitimieren schien. Kein Wunder, dass die Erweiterung von EU und NATO aus russischer Sicht ebenfalls als imperial und Bedrohung der eigenen Interessen interpretiert wurde. Wann immer westliche Länder nach 1990 Moskau Zusammenarbeit anboten, ließen sie Russland im gleichen Atemzug spüren, dass sich Kritik an demokratiefördernder Politik per se verbiete. In dieser Phase ungewisser Entwicklung nahm der Westen zu wenig Rücksicht auf die außenpolitischen Befindlichkeiten und Sicherheitsinteressen Russlands, wie spätestens die Kosovo-Intervention und der Krieg der NATO gegen Serbien zeigten.

Seit dem Ende der Sowjetunion hat die EU die Zahl ihrer Mitglieder mehr als verdoppelt. Ihre Wirtschaftskraft wurde zur größten der Welt, während Russland nur mühsam auf die Beine kam. Den Kooperationsangeboten des Westens stand Putin zunehmend zwiespältig gegenüber. Einerseits erhoffte er sich dadurch Modernisierung, andererseits befürchtete er Überfremdung, kapitalistische Ausbeutung und vor allem, dass der demokratische Bazillus sich auch in Russland festsetzen würde. Im Westen war zu Beginn der 1990er Jahre zunächst von einer Erweiterung der NATO nicht die Rede. In den USA führte der Historiker George F. Putin ließ deshalb in einem Gespräch mit US-Präsident George W.

Bush durchblicken, dass „die Ukraine, sollte sie in die NATO aufgenommen werden, aufhören werde, zu bestehen“. Seine Warnung blieb ohne Resonanz, vielmehr setzte das Bündnis seine Erweiterungspolitik unverdrossen fort, 2009 wurden Albanien und Kroatien aufgenommen. NATO-Osterweiterung, EU-Osterweiterung, Raketenabwehr sowie wachsende Bedrohung der eigenen autoritären Macht durch westlichen Einfluss förderten Putins autoritäre und antiwestliche Haltung. Als politische Alternative zum Westen initiierte er die „gelenkte Demokratie“ und entwarf eine Vision vom „Neuen Russland“ und von der „Eurasischen Union“.

Man kann bedauern, dass Putin vielfach Macht vor Recht setzt. Die moralische, rechtliche und politische Verurteilung von Putins aggressivem Verhalten ist verständlich. Aber moralische Entrüstung ist kein Ersatz für eine selbstkritische Bestandsaufnahme westlicher Europa- und Russlandpolitik. Internationale Politik, auch die europäische, folgt letztlich nicht moralisierenden Aufwallungen, sondern in der Regel den ehernen Gesetzen von Macht, Prestige, Einfluss und Interesse.