Neros Rolle im jüdischen Aufstand von 66 n. Chr. PDF

Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel. Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Nach dem Herrschaftsantritt seines Vaters neros Rolle im jüdischen Aufstand von 66 n. Chr. PDF Jahr 69 beendete Titus als militärischer Oberbefehlshaber den Jüdischen Krieg, wobei Jerusalem und sein Tempel zerstört wurden.


Författare: Andreas Wollenweber.

Studienarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Geschichte – Weltgeschichte – Altertum, Note: 2,0, Universität Siegen, Veranstaltung: Politik, Gesellschaft und Kultur zur Zeit Neros, Sprache: Deutsch, Abstract: "Rom war in dem Unruheherd seit dem Tod Herodes eine überforderte Besatzungsmacht."
So charakterisiert Michael Sommer das Verhältnis der in ihrer Blüte stehenden antiken Weltmacht Rom zu ihrer entlegenen Provinz Judäa. Tatsächlich war mit dem Tod von Herodes dem Großen, einem bei seinen Landsleuten nicht unumstrittenen Klientelherrscher von Roms Gnaden, die Stabilität in der Provinz zunehmend labiler geworden. Diese Situation fand man auch zur Zeit Kaiser Neros (54-68 n. Chr.) dort vor und in seine Regierungszeit fiel auch dann der jüdische Aufstand (66-70 n. Chr.).
Von Nero selbst ist kaum etwas zur Lage in Palästina überliefert, was die Frage aufwirft, inwiefern er eine Mitschuld an den Ausschreitungen der jüdischen Bevölkerung getragen hat und ob er schließlich den Aufstand letztlich hätte verhindern können.
Um dieser Frage näher auf den Grund zu gehen, werden die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Judäa während der neronischen Herrschaft näher untersucht, um so einen eventuellen Handlungsspielraum Neros zur Verbesserung der Lage in diesem Pulverfass herausstellen zu können.
Auf dieser Grundlage sollen dann Antwortmöglichkeiten auf die Frage gegeben werden, ob Nero durch intensive Reformmaßnahmen den verlustreichen Aufstand hätte vermeiden können, er, der Italien bis 66 nie verlassen hatte.

Während seiner wenig mehr als zweijährigen Regierungszeit setzte er die Politik seines Vaters Vespasian fort. Von der antiken Geschichtsschreibung wurde Titus als idealer Herrscher gerühmt. Neben dem ausgesprochen guten Verhältnis zwischen Senat und Kaiser, durch das er sich diametral von seinem Nachfolger Domitian unterschied, waren für dieses günstige Bild auch die Wohltaten des Titus ausschlaggebend. Dezember 39 in Rom als ältester Sohn des Vespasian und der Flavia Domitilla geboren. Er hatte eine Schwester, die ebenfalls Flavia Domitilla hieß, und einen jüngeren Bruder, Domitian, der ihm 81 im Amt des Kaisers folgte.

Die Familie seines Vaters stammte aus dem Sabinerland und war zunächst wenig bedeutend. Dies änderte sich unter Kaiser Claudius, der neben Freigelassenen auch den Ritterstand begünstigte, dem Vespasians Familie angehörte. Titus wuchs zunächst in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Aufstieg seines Vaters ermöglichte ihm jedoch eine Erziehung am Hof des Kaisers Claudius. Dort wurde er gemeinsam mit Britannicus, dem Sohn des Kaisers, unterrichtet. Ihr gemeinsamer Lehrer war Sosibius, der jedoch 51 wegen angeblicher Beteiligung an einer Verschwörung hingerichtet wurde. Nach ersten Tätigkeiten in untergeordneten Ämtern, von denen nichts Genaues bekannt ist, diente Titus ab 61 als Militärtribun in Obergermanien und Britannien.

In diesen Provinzen hatte sein Vater zwanzig Jahre zuvor als Legat römische Truppen kommandiert. Titus kehrte 64 aus Britannien nach Rom zurück. Dort arbeitete er als Anwalt und übernahm die üblichen Ämter eines jungen Senators. In der römischen Provinz Judäa führten verschiedene Faktoren im Jahr 66 zu einem Aufstand der dort ansässigen Juden: Die Steuern waren erdrückend, und die römischen Statthalter nutzten ihre Amtsgewalt aus, um die Provinzialen zu erpressen. Mit der Führung dieses Krieges beauftragte der in Griechenland weilende Kaiser Nero Vespasian, obwohl dieser zeitweise bei ihm in Ungnade gefallen war. Als Gründe für seine Berufung nennt Sueton Vespasians Tüchtigkeit und Erfahrung und vor allem, dass er wegen seiner einfachen Herkunft in den Augen Neros keine Gefahr darstellte.

Vespasians Heer war erheblich größer als das des Cestius. Es bestand neben drei Legionen aus 23 Auxiliarkohorten, Reiterabteilungen sowie 15. 000 Mann Hilfstruppen der verbündeten orientalischen Fürsten. Insgesamt verfügte Vespasian inklusive Hilfstruppen über ein Heer von etwa 60. Während der Belagerung von Iotapata wurde der jüdische Befehlshaber Iosephus gefangen genommen.

Vespasian tatsächlich die Kaiserwürde erlangt hatte, wurde er freigelassen. An der späteren Eroberung Jerusalems durch Titus nahm er auf römischer Seite teil, über den Kriegsverlauf verfasste er sein Werk De Bello Iudaico. Nach Beginn des Jüdischen Krieges stürzte das Römische Reich in seine schwerste Krise seit der Begründung des Prinzipats. Diese Krise und der Sturz Neros sind auf die katastrophale Lage der römischen Finanzen und die schwindende Akzeptanz des Kaisers beim Heer sowie der plebs urbana zurückzuführen.

Nach dem Tod Neros folgte in Judäa eine Phase der Inaktivität. Für die nächsten zwölf Monate galten sämtliche Aktivitäten dem Kampf um die Kaiserwürde. Als Titus von der Ermordung des neuen Kaisers Galba erfuhr, brach er seine Reise zum Kaiser ab, dem er die Loyalitätserklärung der in Judäa stationierten Truppen überbringen wollte. Während Vespasian von Rom aus die Reichsautorität nach den Wirren des Vierkaiserjahres wiederherstellte, blieb Titus im Osten. Jerusalem einzunehmen, das bis zu diesem Zeitpunkt allen Eroberungsversuchen widerstanden hatte.