Menschlich Ewiges PDF

Religionskritik – Nägel zum Sarg Gottes? Menschlich Ewiges PDF Feuerbach dachte, er hätte Gott endgültig widerlegt.


Författare: Theodor Wyder.

Die Gesellschaftsordnung der Gegenwart (Religion, Erziehung, Menschenführung, Macht) hat markante Änderungen erfahren. Der Bruch der modernen Generation mit der unmittelbaren Vergangenheit kann eine Wiederanknüpfung an frühere Epochen bedeuten und lässt manche Hoffnung offen. Niemals zuvor hat eine so sehr vom technischen Fortschritt und vom Geist der Wissenschaft geprägte Kulturform vorgeherrscht. Eine zweckmäßige Lebensrichtung, als Fundament für jedes Streben, ob religiös, politisch, militärisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich, ist zu erkennen. In einer Zeit, die vom Individualismus geprägt ist, ist die Freiheit des Einzelnen zur Gemeinschaft eines Volkes nicht unbedingt förderlich. Alles beginnt im Inneren des Menschen: zufrieden sein mit sich selbst und seinen Geist und seine Seele pflegen.

Karl Marx und Sigmund Freud bauten ebenfalls darauf. Und Friedrich Nietzsche war sogar davon überzeugt, dass er Gott getötet habe. Es gibt eine gute Nachricht: Alle vier haben sich getäuscht. Zumindest im Religionsunterricht der Oberstufe gehören Feuerbach, Marx und Freud zu den Klassikern der Religionskritik. Aber auch darüber hinaus sind zumindest ihre Theorien bekannt und verbreitet.

Die Religion, wenigstens die christliche, ist das Verhalten des Menschen zu sich selbst, oder richtiger: zu seinem Wesen, aber das Verhalten zu seinem Wesen als zu einem anderen Wesen. Das göttliche Wesen ist nichts anderes als das menschliche Wesen, oder besser: das Wesen des Menschen, abgesondert von den Schranken des individuellen, d. Die Religion ist die Entzweiung des Menschen mit sich selbst: Er setzt sich Gott als ein ihm entgegengesetztes Wesen gegenüber. Gott ist nicht, was der Mensch ist – der Mensch nicht, was Gott ist.

Gegenstand dieses Abhängigkeitsgefühles, das, wovon der Mensch abhängig ist und abhängig sich fühlt, ist aber ursprünglich nichts anderes, als die Natur. Die Natur ist der erste, ursprüngliche Gegenstand der Religion, wie die Geschichte aller Religionen und Völker sattsam beweist. Der Mensch glaubt Götter nicht nur, weil er Phantasie und Gefühl hat. Wesen, weil er selbst nicht zu sterben wünscht. Unser Verhältnis zur Religion ist kein nur verneinendes.

Wahre vom Falschen – obgleich allerdings die von der Falschheit ausgeschiedene Wahrheit immer eine neue, von der alten wesentlich unterschiedene Wahrheit ist. Die Religion ist das erste Selbstbewusstsein des Menschen. Heilig sind die Religionen, eben weil sie die Überlieferungen des ersten Bewusstsein sind. Mit anderen Worten: Der Mensch leidet daran, das er nicht das ist, was er gerne wäre – deshalb erfindet er Gott. Gott ist eine Projektion seiner Sehnsüchte und Wünsche.

Alles, was der Mensch in sich an Positivem entdeckt, schreibt er Gott zu – dem Menschen bleibt nur der negative Teil des Kuchens. Feuerbach verlangt, um des Menschen willen, dass Gott abgeschafft wird. Erst dann, wenn wir nicht mehr einem fiktiven Gott dienen, können wir den Menschen in den Blick nehmen. Nächstenliebe ist nur dann möglich, wenn sie um des Menschen willen geschieht – und nicht, weil Gott es verlangt.