Mantik, Schicksal und Freiheit im Mittelalter PDF

Mantik, Schicksal und Freiheit im Mittelalter PDF Artikel bezieht sich auf den philosophischen Begriff. Theorie der Interpretation von Texten und des Verstehens.


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Seit jeher haben Menschen ein reges Interesse daran, mehr über ihre Zukunft zu erfahren, wobei immer auch die Frage nach Schicksal und Freiheit des Individuums gestellt wird. Philosophen, Historiker und Philologen untersuchen in diesem Band zum einen verschiedene mantische Praktiken des Mittelalters auf deren theoretische Grundlagen und ihre Ausführungen. Zum anderen nehmen sie eine Einbettung mantischer Vorstellungen in die zeitgenössischen theoretischen Modelle exemplarisch an verschiedenen großen Denkern und Denkschulen unter philosophie-, theologie- und wissenschaftsgeschichtlichen Gesichtspunkten vor.

Beim Verstehen verwendet der Mensch Symbole. Er ist in eine Welt von Zeichen und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache verwendet. Texte, besonders der Bibel und Gesetze. Der Begriff Hermeneutik ist als solcher erst in der Neuzeit entstanden und wurde als Buchtitel erstmals vom Straßburger Philosophen und Theologen Johann Conrad Dannhauer verwendet. Die allgemeine Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Texten oder von Zeichen im Allgemeinen. Im antiken Griechenland gab das Orakel von Delphi weder konkrete Anweisungen, noch verbarg es seinen Sinn völlig, vielmehr deutete es an. Die hermeneutische Kunst sollte die Sprache der Götter erhellen.

Obgleich die begriffliche Fixierung der Hermeneutik und ihre systematische Entwicklung zu einem eigenen wissenschaftstheoretischen Bereich erst in die frühe Neuzeit fallen, reichen ihre historischen Wurzeln sehr viel weiter zurück. Hermeneutik hatte in der griechischen Religion, Mythologie und in der antiken Philosophie frühe Anwendungsbereiche. Nach Platon sind die zwei Seiten des Seins, die es zu verstehen gilt, die sinnlich wahrnehmbare Beschaffenheit und das nicht sinnlich wahrnehmbare wesenhafte Sein. Die Seele strebe nicht nach der sinnlich wahrnehmbaren Beschaffenheit, sondern nach dem wesenhaften Sein.

Bei Aristoteles steht neben der Aussage als Ausdruck und als elementare Grundlage des logischen Denkens jegliche Aussage auch immer in dem Fragebezug zu dem, was mit ihr gemeint ist. Bei der antiken Auslegung von Texten sowohl in Griechenland als auch im Judentum war die Allegorese von Bedeutung. Dabei geht es um die Ermittlung eines verborgenen Sinns der Texte, der sich von dem wörtlichen Sinn unterscheidet. Im christlichen Mittelalter wurde die Tradition der antiken Exegese in ihrer Grundstruktur der Zweiteilung fortgesetzt. Die Tradition der juristischen Hermeneutik gewann eine neue Bedeutung, als die Rechtswissenschaft im Kampf des aufstrebenden städtischen Bürgertums gegen den Adel zu einer ökonomisch und politisch relevanten Kunst wurde. Das Ringen um die richtige Auslegung juristischer Texte führte zu einer säkularisierten hermeneutischen Methodenlehre.