Lenin und die Eliten PDF

Please forward this lenin und die Eliten PDF screen to sharedip-1601531621. Wie bin ich geworden, wer ich bin? Harald Fischer-Tiné ist Professor für die Geschichte der modernen Welt an der ETH Zürich.


Författare: Konstantin Wussmann.
Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Politik – Politische Theorie und Ideengeschichte, Note: 1,0, Technische Universität Chemnitz, Sprache: Deutsch, Abstract: "Ihre Diktatur ist nicht die der arbeitenden Klasse, sondern die Diktatur einer Clique." Mit diesen Worten beschrieb der Menschewiki Georgi Walentinowitsch Plechanow die Auflösung der konstituierenden Versammlung im Jahre 1918 durch die Bolschewisten. Wenn Plechanow mit dieser Aussage Recht hatte, so ist die Herrschaft der Bourgeoisie durch die Herrschaft der Bolschewisten ersetzt worden, die Zweiklassengesellschaft also bestehen geblieben. War die "Diktatur des Proletariats" nur der Deckmantel für die Herrschaft eines elitären Zirkels? War Lenin je gewillt, die Macht mit allen Arbeitern zu teilen? Legte die Struktur der Bewegung, die Teilung in eine Avantgarde und eine diffuse Masse, schon den Grundstein für eine sozialistische Aristokratie? Diese Fragen versucht die vorliegende Arbeit zu beantworten. Daneben geht sie auch auf Theorie und praktische Umsetzung der Ansichten Lenins ein. Dadurch kann geklärt werden, ob Lenin von vornherein die "Diktatur einer Clique" geplant hatte, oder ob sie lediglich eine Anpassung an die vorhandenen Umstände war.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte. In diesen Abschnitten wird der jeweilige Untersuchungsgegenstand erläutert und anschließend auf Hinweise einer Diktatur der Eliten, beziehungsweise einer Clique, durchsucht. Der erste Teil befasst sich mit dem Parteiaufbau und der Rolle der Partei, wie Lenin sie in seinem Werk "Staat und Revolution" darstellte. Dieser Abschnitt beleuchtet somit zum einen die theoretischen Ansichten Lenins, die er zum Großteil während seiner Emigration erarbeitete. Zu einer Zeit also, in der er keine direkte Verbindung zu den vorherrschenden Verhältnissen in Russland hatte. Zum anderen wird die Umsetzung dieser Ideen betrachtet, wodurch mögliche Konflikte der Praxis mit der Theorie herausgefiltert werden können. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich eingehender mit dem Terminus der "Diktatur des Proletariats". Dabei wird vor allem auf Lenins Zeit als Kremlchef eingegangen und ob eine "Diktatur des Proletariats" nach der Oktoberrevolution wirklich existent war. Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse wird im dritten Teil die Frage beantwortet, ob Lenin die Herrschaft der "Ausbeuterklasse" lediglich durch die Herrschaft einer neuen Klasse ersetzt und somit die Zweiklassengesellschaft fortgeführt hat. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse kurz zusammengefasst und die Ansichten des Autors zur Thematik dargelegt.

Jahrhundert Nach dem Zweiten Weltkrieg erkämpften sich viele Kolonien ihre Unabhängigkeit. Dekolonisation ist jedoch keine klare Zäsur, die einen abrupten Neustart nach sich zog. Sie ist als Fortsetzung der Geschichte des Kolonialismus zu verstehen. 550-750 Millionen Menschen lebten, war deren Ausdehnung 1975 um mehr als 90 Prozent geschrumpft.

Dieser rapide Kollaps der imperialen Weltordnung stellt jedoch nur eine Dimension des Phänomens „Dekolonisation“ dar. Die amerikanischen und karibischen Kolonialterritorien hatten bereits im späten 18. In noch stärkerem Maße wirkten die beiden Weltkriege als Katalysatoren für Kolonialismuskritik und den wachsenden Zulauf antikolonialer Nationalismen. Der Erste Weltkrieg verdient in dieser Hinsicht besondere Erwähnung. Die massenhafte Präsenz von Asiaten und Afrikanern in Europa zwischen 1914 und 1919 hatte aber auch noch subtilere Folgen.

Kaum jemand glaubte in Asien und Afrika noch an die Unbesiegbarkeit der Kolonialmächte, nachdem sich die Briten und Franzosen dem Ansturm der Achsenmächte zunächst nicht gewachsen gezeigt hatten. Im Zeichen der allgemeinen Rivalität um Macht und geostrategische Vorteile während des Kalten Krieges kam es bereits wenige Jahre später zu einem regelrechten Wettkampf zwischen den Supermächten um Einfluss in den Kolonien bzw. In Indonesien beispielsweise unterstützten die USA die antikolonialen Nationalisten im Kampf gegen die Niederlande, um weiteres Chaos und ein dadurch mögliches Abdriften des Landes ins sozialistische Lager zu verhindern. Unter der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wurde im August 1947 das ehemalige Britisch-Indien in die Unabhängigkeit entlassen. Aus der wichtigsten Kolonie Großbritanniens gingen gleich zwei Staaten hervor: die säkulare Indische Union und das sich als Heimstatt für Südasiens Muslime begreifende Pakistan.

Etwa zur gleichen Zeit war auch der bereits erwähnte Normenwandel, der den politischen Prozess der Dekolonisation begleitete, weitgehend vollzogen. Jahrhunderts also keineswegs um ein homogenes Phänomen handelt, lassen sich, aller historischen und regionalen Spezifika der jeweiligen Fälle zum Trotz, einige überwölbende Charakteristika ausmachen, die zumindest auf die Mehrzahl der Dekolonisationsprozesse zutreffen. Die drei wichtigsten sollen abschließend kurz umrissen werden. Die erste Beobachtung bezieht sich auf die bereits mehrfach angedeutete und für antikoloniale Bewegungen typische Gleichzeitigkeit von Nationalismus und Internationalismus. Ziel der jeweiligen politischen Kampagnen war in der Regel die Schaffung eines Nationalstaates nach westlichem Vorbild. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden nicht selten breite politische Koalitionen geschmiedet. 1919 von den neuen bolschewistischen Machthabern in Moskau lanciert worden war.