Inklusiv. Architektur und Kunst PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Institut für Philosophie, Universität Bonn, Lennéstraße 39, 53113 Bonn. Wissen und Erkenntnis – Essay Die Erkenntnistheorie beschäftigt sich vor allem mit der Frage, was „Wissen“ und „Inklusiv. Architektur und Kunst PDF“ bedeuten.


Författare: Margitta Buchert.
Architektur und Kunst haben zahllose Berührungspunkte und vielfältige gemeinsame Grundlagen. Dieses Thema beleuchtet der Band »Inklusiv. Architektur und Kunst« anhand einzelner zeitgenössischer Positionen, um zu zeigen, auf welch unterschiedliche Art sich Künstler, Architekten und Theoretiker der Problematik von Gestaltung, Wahrnehmung und Aneignung von (Lebens-) Raum nähern können.
Die neun internationalen Positionierungen – u.a. von Simon Ungers, Lars Spuybroek, Hannes Böhringer – werden mit zahlreichen Abbildungen und entsprechenden Textbeiträgen ausführlich vorgestellt und kommentiert. Der einleitende Essay verschafft den nötigen transdisziplinären Überblick und ein Gespräch unter den Beteiligten eröffnet neue und zum Teil überraschende Perspektiven auf Architektur und Kunst.

Dabei kann es nicht schon von vornherein als ausgemacht gelten, dass die beiden Ausdrücke jeweils nur eine einzige Bedeutung haben, auch nicht, dass sie je eine Menge von Bedeutungen haben, die untereinander einen systematischen Zusammenhang aufweisen. Ich selbst vertrete einen erkenntnistheoretischen Pluralismus. Darunter verstehe ich die Behauptung, dass es verschiedene Formen des Wissens und Erkennens gibt. Diese Behauptung könnte man wiederum auf mindestens zwei verschiedene Arten interpretieren. Einerseits könnte man sagen, dass es etwa praktisches und theoretisches Wissen gibt: Praktisches Wissen wäre eine Form des Könnens, wenn man etwa weiß, wie man auf Rollschuhen einen steilen Abhang herunter rollen kann. Diese Behauptung scheint irgendwie vertraut zu sein, entspricht sie doch einem offensichtlichen Befund, nämlich dem, dass wir beispielsweise zwischen mathematischem, soziologischem und physikalischem Wissen unterscheiden und diesen Unterschied mit verschiedenen Wissenschaften verbinden. Verschiedene Wissenschaften sind demnach dadurch verschieden, dass sie verschiedene theoretische Wissensformen in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus bin ich der Überzeugung, dass auch der Ausdruck „Erkenntnis“ eine Pluralität anzeigt, dass es mithin verschiedene Formen der Erkenntnis gibt. Unterschied, der leider in der gegenwärtigen deutschsprachigen Erkenntnistheorie gern verwischt wird, da sich diese an der englischsprachigen Debatte orientiert, in der es kein exaktes sprachliches Pendant zum deutschen Ausdruck „Erkenntnis“ gibt. Obwohl ich einen erkenntnistheoretischen Pluralismus vertrete, meine ich, dass es einen schmalen Bedeutungskern von „Wissen“ und „Erkenntnis“ gibt, dass das Wissen darum, worin dieser Kern besteht, aber keineswegs hinreicht, um auf diese Weise bereits zu wissen, was „Wissen“ bedeutet. Im Folgenden werde ich zunächst kurz die Ausgangsdefinition motivieren, das heißt Gründe vorstellen, die für die Elemente der Ausgangsdefinition von „Wissen“ sprechen. Anschließend werde ich den Unterschied von „Wissen“ und „Erkenntnis“ erläutern. Unter „Erkenntnis“ verstehe ich eine „wahre und damit wahrheitsfähige Bezugnahme“, das heißt eine Bezugnahme auf irgendeinen Gegenstand, die unter gewissen Erfolgsbedingungen steht. Der relevante Zustand, der überhaupt für Wissen infrage kommt, dürfte dabei derjenige einer Überzeugung sein.

Wer etwas weiß, ist von der betreffenden Sache überzeugt, das heißt, er hält seine Meinung auch gegen Widerstände aufrecht. Die Richtigkeit dieser Bedingung erkennt man daran, dass es merkwürdig wäre zu sagen, S weiß zwar, dass es regnet, davon überzeugt ist er allerdings nicht. Wissen geht mit Gewissheit einher, was lediglich bedeutet, dass man an dem, was man zu wissen meint, gegebenenfalls festhält. Man glaubt es nicht einfach so, wie wenn ich wahllos annehme, dass Angela Merkel gerade in Frankfurt ist, ohne irgendeinen Grund für diese Annahme zu haben.

Ich ließe mich leicht vom Gegenteil überzeugen. Wenn ich weiß, dass es gerade in London regnet, dann ist es wahr, dass es gerade in London regnet. Die dritte Wissensbedingung schließlich besteht darin, dass jemand, der etwas weiß, dieses Wissen gegen Einwände verteidigen kann. Wer etwas weiß, hat sich Gedanken gemacht und das Wissen in einen Kontext eingebettet. Unter Erkenntnistheoretikern scheiden sich die Geister insbesondere an der Frage, was genau eigentlich eine „Rechtfertigung“ beziehungsweise eine „Berechtigung“ ausmacht.

Ich selbst glaube, dass es darauf keine einheitliche Antwort gibt, da es verschiedene Wissensformen gibt, die jeweils unter verschiedenen Rechtfertigungsbedingungen stehen. Man weiß also nur dann etwas, wenn man seine Überzeugung gegen irgendeine Menge ihrerseits berechtigter Einwände verteidigen beziehungsweise auf kritische Nachfrage hin mit Gründen ausstatten kann. Unsere Überzeugungen haben eine Netzwerkstruktur, sie bilden in einem relativ anspruchslosen Sinn ein System. Wissen besteht darin, Erkenntnisse in einen Zusammenhang bringen zu können. Wählen wir ein einfaches Beispiel: Ein Passant fragt uns, ob wir wissen, wann die nächste Regionalbahn von Bonn nach Köln fährt.

Wenn wir dies wissen, wissen wir dies in einem Zusammenhang, etwa, weil wir mit einer bestimmten Regelmäßigkeit eine solche Regionalbahn genommen haben, weil wir wissen, wo man einen relevanten Fahrplan einsehen kann, dass überhaupt eine Regionalbahn von Bonn nach Köln fährt. Wenn wir etwas wissen, besteht sonach ein Zusammenhang zwischen einem Netzwerk von Überzeugungen und dem Umstand, dass wir aus diesem Netzwerk Hintergrundüberzeugungen anführen können, wenn unser Wissen infrage gestellt wird beziehungsweise gefragt ist. Dies drückt die Ausgangsdefinition von Wissen aus. Dabei darf man die Wahrheitsbedingung nicht unterschlagen. Denn man muss zwischen einem Wissensanspruch und tatsächlichem Wissen unterscheiden. S’ Überzeugung, dass p, ist berechtigt. In einem einflussreichen Artikel von 1963 hat der amerikanische Erkenntnistheoretiker Edmund L.