Idee und Wirklichkeit in Platos Timaios PDF

Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel. Dieser Artikel idee und Wirklichkeit in Platos Timaios PDF die Ideenlehre Platons.


Författare: Hans-Georg Gadamer.

Zu anderen idealistischen Theorien siehe Idealismus. Konzeption, der zufolge Ideen als eigenständige Entitäten existieren und dem Bereich der sinnlich wahrnehmbaren Objekte ontologisch übergeordnet sind. Nach der Ideenlehre sind die Ideen nicht bloße Vorstellungen im menschlichen Geist, sondern eine objektive metaphysische Realität. Die Ideen, nicht die Objekte der Sinneserfahrung, stellen die eigentliche Wirklichkeit dar. Da die Ideenlehre in Platons Werken nicht systematisch ausgeführt ist und auch nirgends ausdrücklich als Lehre bezeichnet wird, ist in der Forschung umstritten, ob es sich überhaupt um eine einheitliche Theorie handelt. Ein Gesamtbild kann nur aus den zahlreichen verstreuten Angaben in Platons Dialogen erschlossen werden.

Ergänzend werden Mitteilungen anderer Autoren herangezogen, deren Zuverlässigkeit aber umstritten ist. Platon hat bei seinen Äußerungen zur Ideenkonzeption keine feste Terminologie eingeführt, sondern auf verschiedene Ausdrücke der Alltagssprache zurückgegriffen. Die wichtigsten, für die Rezeption der Ideenlehre maßgeblichen Begriffe sind idea und eidos. Beide bezeichneten im allgemeinen Sprachgebrauch einen visuellen Eindruck und wurden gewöhnlich synonym gebraucht. Im Gegensatz zum ursprünglichen Wortsinn von idea, der sich auf das sichtbare Erscheinungsbild von etwas bezieht, ist die platonische Idee etwas Unsichtbares, das den sichtbaren Erscheinungen zugrunde liegt. Daher hat er den Begriff idea aus dem Bereich der Sinneswahrnehmung in den einer rein geistigen Wahrnehmung übertragen.

Einen Ansatzpunkt für diese Bedeutungsverschiebung vom visuellen Eindruck, den ein konkretes Einzelding macht, zu etwas nur geistig erfassbarem Allgemeinem bot schon die Begriffsverwendung im allgemeinen Sprachgebrauch, die das Allgemeine und Abstrakte einbezog: Nicht nur einzelne Individuen, sondern auch Gruppen und Mengen hatten ein bestimmtes eidos, nach dem man sie unterschied. So gab es ein königliches und ein sklavenhaftes eidos und ein eidos ethnischer Gruppen. Platons Schüler Aristoteles, der die Ideenlehre ablehnte, griff die Terminologie seines Lehrers auf, wandelte sie aber für seine Zwecke ab. Cicero, ein wichtiger Vermittler platonischen Gedankenguts an die lateinischsprachige Welt, trug dazu bei, dass idea auch im Lateinischen ein philosophischer Fachbegriff wurde.

Er schrieb das Wort noch als Fremdwort in griechischer Schrift, bei späteren Autoren erscheint es meist in lateinischer Schrift. Zeit müsse der Inhalt des Begriffs bekannt gewesen sein. Mittelalterliche Philosophen und Theologen übernahmen die antike lateinische Terminologie der Ideenlehre, die ihnen vor allem Augustinus, Calcidius und Boethius vermittelten. Zur Bezeichnung der platonischen Ideen verwendeten sie neben dem latinisierten griechischen Wort idea auch die schon in der Antike gebräuchlichen rein lateinischen Ausdrücke, vor allem forma. Autoren, die sich stark an der angelsächsischen Tradition orientieren.

Diese Übersetzung hat allerdings den Nachteil, sich an eine Sprachregelung anzulehnen, die von der aristotelischen Denkweise ausgeht. Einen Ansatzpunkt für die Entstehung der Ideenlehre bot Platons Auseinandersetzung mit zwei gegensätzlichen Richtungen der vorsokratischen Philosophie: der Denkweise der Eleaten und derjenigen Heraklits und der Herakliteer. Im Gegensatz zu Parmenides, der dem Veränderlichen als Nichtseiendem jegliche Existenz absprach, billigte Platon aber dem Bereich der wandelbaren Sinnesobjekte ein bedingtes und unvollkommenes Sein zu. Sein Konzept eines hierarchisch abgestuften Seins verband den Ideenbereich als Ursache mit den Sinnesobjekten als dem Verursachten. Zusammenhang zwischen Sein und Werden her.

Auf den Gedanken, dass zwischen dem Anschaulichen und dem Abstrakten zugleich ein Zusammenhang und ein scharfer, prinzipieller Gegensatz besteht, kam Platon vermutlich durch seine Beschäftigung mit der Geometrie. Beweisgängen zugrunde legen, als wüssten sie darüber Bescheid. Den Sinn einer Beschäftigung mit der Mathematik sah Platon darin, dass sie den Gegensatz zwischen sinnlicher und unsinnlicher Betrachtung, zwischen vollkommenen Urbildern und immer mangelhaften Abbildern verdeutliche und zugleich den Blick von den sichtbaren Abbildern auf die nur geistig erfassbaren Urbilder lenke. Daher betrachtete er die Mathematik unter didaktischem Gesichtspunkt als wichtige Vorbereitung auf die Philosophie. Trotz der Unklarheit vieler Einzelheiten ergibt sich aus den verstreuten Angaben Platons über die Ideen ein Gesamtrahmen, innerhalb dessen sich textorientierte Interpretationen zu bewegen haben.