Europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf? PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Warum ist es so schwer, europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf? PDF Rassismus zu sprechen?


Författare: Nina Scholz.
Die gegenwärtige Debatte über „Islam und Europa“ wird kontrovers und emotional geführt. In sechzehn Kapiteln – von „Bilderverbot“ über „Islamophobie“ und „Kopftuch“ bis „Toleranz“ – erläutern und diskutieren die AutorInnen auf der Grundlage der universalen Menschenrechte häufig verwendete Begriffe dieser Auseinandersetzung.
Die Konfrontation der westlichen, auf individuellen Lebensentwürfen basierenden Gesellschaft mit der Zuwanderung von Menschen aus traditionell kollektivistisch geprägten Strukturen verläuft nicht spannungsfrei. Die Auseinandersetzung sehen Heiko Heinisch und Nina Scholz im Wesentlichen zwischen Gegnern und Verfechtern der Aufklärung, zwischen jenen, die für die Bewahrung der persönlichen Freiheit des Einzelnen eintreten, und jenen, die kulturelle Kollektive schützen wollen. Die AutorInnen beziehen dabei Stellung auf Seiten der Aufklärung und plädieren mit einer wissenschaftlich fundierten, ideengeschichtlich gestützten Argumentation – jenseits von Aufgeregtheit und Polemik – für die Werte und Ideen der Moderne.

Christian Geulen lehrt am Institut für Geschichte der Universität Koblenz. In den medialen Debatten zum Rechtsextremismus kommt in Deutschland das Wort „Rassismus“ eher selten vor . Bei genauer Betrachtung zeigt sich: Hierzulande wird der Begriff von der Allgemeinheit grundsätzlich anders verstanden als im Ausland. Paradoxerweise macht die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit das Reden über Rassismus sogar schwieriger. Zunahme rassistischer Formen der Ausgrenzung und Diskriminierung in Deutschland registriert und eine aktivere Form der politischen Abwehr eingefordert.

Darin drückt sich zunächst eine deutliche Weigerung aus, Rassismus generell als ein in der deutschen Gesellschaft dauerhaft präsentes Problem aufzufassen. Denn das widerspräche einem wesentlichen Teil des Selbstbildes der Bundesrepublik, die gerade aus der Befreiung von einem rassistischen System als dessen Gegenteil gegründet wurde. Tatsächlich aber markiert der ausländische Blick Formen des Rassismus in Deutschland, wie sie auch in anderen Ländern so präsent wie problematisch sind. Gemeint sind damit sämtliche Formen einer Anfeindung von Gruppen, die sich durch bestimmte reale oder imaginierte Merkmale auszeichnen. Diese weite Definition des Rassismus ist im deutschen Sprachraum eher ungewöhnlich. Doch tendiert man gerade in Deutschland zu einem gefährlichen Umkehrschluss: Wo diese theoretische Hintergrundüberzeugung fehlt, so eine geläufige Annahme, liege auch kein Rassismus vor.

Das ist in anderen Ländern und besonders im englischen Sprachraum anders. Auch hier versteht man im Allgemeinen zwar unter Rassismus eine Ideologie oder ein Konglomerat aus ideologischen Annahmen und Denkweisen. Doch als seine primäre Ausdrucksform, in der diese Annahmen überhaupt sichtbar werden, gilt vor allem das praktische, alltägliche Handeln: von abwertenden Sprechakten über strukturelle Diskriminierung und Ausgrenzung bis zur offenen Anfeindung und rassistischen Gewalt. Das mag, gerade aufgrund der so erfolgreichen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit hierzulande, zunächst verwundern. Jedoch nur solange man den rassistischen Antisemitismus der Nazis mit Rassismus schlechthin gleichsetzt.

Zum Teil auch deshalb, weil die vom Rassismus betroffenen Menschen in diesen Ländern sehr viel präsenter sind als in Deutschland. In den USA wiederum spielt das historische Erbe der Sklaverei eine große Rolle sowie die Tatsache, dass die Nation im 19. Jahrhundert als eine Gesellschaft von Wirtschaftsflüchtlingen groß wurde. Ebenso sind Länder wie Spanien und Portugal oder auch deren ehemaliges Kolonialreich in Südamerika weiterhin von einer komplexen und vielfältigen kulturellen und ethnischen Pluralität geprägt. Der Rassismus ist eine der ältesten Ideologien der Ordnung dieser Unordnung. Damit unterscheidet sich der Rassismus von vielen anderen Ideologien.