Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung PDF

Zur Navigation springen Zur Suche springen Die biographisch-narrative Gesprächsführung ist eine Methode, die an die empirischen Forschungsverfahren des narrativen Interviews anschließt. Die von Fritz Schütze vorgeschlagene Technik der Interviewführung gründet auf Erkenntnissen aus der Sprachsoziologie, Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung PDF, Erzähltheorie, Ethnographie und Volkskunde.


Författare: Heinz-Hermann Krüger.

Zwischen der Erziehungswissenschaft und der Biographieforschung besteht eine hohe Affinität aufgrund des gemeinsamen Arbeitsfeldes. Denn ein biogra­ phischer Bezug ist der Pädagogik in ihrem Gegenstand bereits vorgegeben. Bedeutet doch Erziehung Anleitung, Unterstützung und Hilfe in Verbindung mit der Gestaltung individuellen Lebens. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, daß die Pädagogik neben der Historiographie, der Literaturwis­ senschaft und der Philosophie an den Anfängen einer wissenschaftlichen Be­ schäftigung mit Biographien im 18. Jahrhundert bereits maßgeblich beteiligt war. Eine neue Blütezeit erlebte die pädagogische Biographieforschung erst in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts, als Vertreter der Pädagogischen Psycho­ logie und der Jugendforschung, wie Charlotte Bühler oder Siegfried Bernfeld, die biographische Methode für Untersuchungen zum Jugendalter und zum Le­ benslauf fruchtbar zu machen suchten. Zu einer erneuten Renaissance der erziehungswissenschaftliehen Biographie­ forschung kam es dann in den 70er Jahren. Dominierten in der Diskussion zu­ nächst programmatische und methodologische Überlegungen zur Ausarbeitung einer biographischen und narrativen Orientierung in der Pädagogik, so wurden in den 80er Jahren eine Vielzahl von biographischen Studien in der histori­ schen Bildungs- und Sozialisationsforschung, in der pädagogisch orientierten Kindheits-, Jugend-, Schul- und Hochschulsozialisationsforschung sowie in einigen erziehungswissenschaftliehen Teildisziplinen durchgeführt. Parallel zu dieser Entwicklung erfolgten auch Versuche, die Forschungsaktivitäten im Be­ reich der erziehungswissenschaftliehen Biographieforschung stärker institutio­ nell zu vernetzen. Diese Aktivitäten setzten auf dem Tübinger Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft im Jahr 1978 ein und mün­ deten in der Gründung einer Arbeitsgruppe Erziehungswissenschaftliche Bio­ graphieforschung auf dem Dortmunder Kongreß der DGfE im Frühjahr 1994.

Interviewpartner werden zu einer umfassenden und detaillierten Stegreiferzählung persönlicher Erlebnisse in einem vorgegebenen Themenbereich gebeten. Dabei werden die Personen nicht mit standardisierten Fragen konfrontiert. Im freien Erzählen über selbsterlebte Ereignisse ergeben sich subjektive Bedeutungsstrukturen, die sich einem systematischen Befragen im Interview eher verschließen würden. Auch im Alltag spielen Erzählungen eine herausragende Rolle. Die Bezeichnung biografisch-narrative Gesprächsführung geht zurück auf unabhängig voneinander entstandene Arbeiten von Gabriele Rosenthal und Mitarbeiterinnen sowie Reinhard Völzke.

Biografisch-narrative Gesprächsführung begleitet den autobiografischen Erinnerungsprozess, um die erzählende Person in der Bewußtwerdung ihrer persönlichen und sozialen Identität zu unterstützen. Gleichzeitig zielt diese Art der Gesprächsführung auf die Erhöhung des Fremdverstehens durch die zuhörende Person. Die zu beratende Person wird zu Beginn durch Eingangsimpulse zur narrativen Exploration einer biografischen Haupterzählung angeregt. Der Erzähler breitet in einer selbstgesteuerten Form die eigene Lebensgeschichte vor dem Zuhörer aus. In der zweiten Gesprächsphase werden durch die zuhörende Person gezielte Fragen nach Themen oder Ereignissen gestellt, die in der Haupterzählung bereits erwähnt wurden.