Die SS – ein Instrument im totalitären NS-Staat PDF

Zur Navigation springen Zur Suche springen Eichmann in Jerusalem. Eichmann-Prozess anwesend die SS – ein Instrument im totalitären NS-Staat PDF verfolgte dort den Beginn der Beweisaufnahme durch die Einvernahme verschiedener Zeugen.


Författare: Michael Scheuerer.
Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Geschichte Europa – Deutschland – Nationalsozialismus, II. Weltkrieg, Note: 1,7, Universität Regensburg (Institut für Geschichte), Sprache: Deutsch, Abstract: Die SS ein weites Feld.
"Wenn alle untreu werden
so bleiben wir doch treu,
daß immer noch auf Erden
für euch ein Fähnlein sei.
Gefährten unserer Jugend
ihr Bilder besserer Zeit –
die uns zu Männer Tugend
und Liebestod geweiht."
Diese romantisch verklärte Strophe, des von Max von Schenkendorfs im Jahre 1814 geschriebenen Gedichts, wurde vom Reichsführer-SS Heinrich Himmler zum Treuelied seines Ordens erhoben. In seiner stark expressiven, bildhaften Sprache zum Bekenntnis des Irrationalismus , ist es Symbol einer Radikalisierung der Gemeinschaftssehnsucht, hin zu einem erwachenden Mythus, den Alfred Rosenberg als neue Religion begreift. "Der mit hellsten Wissen verkörperte Glaube, daß das nordische Blut jenes Mysterium darstellt, welches die alten Sakramente ersetzt und überwunden hat." Als Speerspitze dieses Sendungsbewußtsteins verstand sich die SS(Schutzstaffel), "als ein nationalsozialistischer Orden nordisch bestimmter Männer" , als eine Blutgemeinschaft, die lebt, "ohne die Notwendigkeit einer intellektuellen Rechtfertigung zu empfinden" .
Als ein Produkt der "Konservativen Revolution" , verbunden mit einer Geisteshaltung im Zeichen der "vulgären Lebensphilosophie" stellt die SS auch heute noch ein schier unerschöpfliches Thema dar, bei dem es schwierig scheint die Entwicklungsgeschichte des Ordens auf einen kurzen Nenner zu bringen.
"Von der Leibwache eines zunächst wenig erfolgreichen Politikers zur Parteipolizei der NSDAP, von der Parteipolizei zur innenpolitischen Schlüsselgewalt im deutschen Reich; von der innenpolitischen Schlüsselgewalt zu einem wichtigen Faktor der deutschen Kriegsführung, zum Herren über weite Teile des von Deutschland besetzten Europas und zum Vollstrecker des Völkermords." .
Der häufige Funktionswechsel der SS kennzeichnet sowohl die Organisation als vielseitiges Instrument der NS-Bewegung, als auch die weite Bandbreite ihres Wirkens. "Es ist die Geschichte von Idealisten und Verbrechern, von Ehrgeizigen und Romantikern. Es ist die Geschichte eines Männerordens, wie er phantastischer nicht gedacht werden kann."
[…]

39 Seiten lang ist, mit 64 eigenen, ausführlichen Anmerkungen. Dieser Text übt harsche Kritik am folgenden Text Arendts. Bei der ersten deutschen Ausgabe im Piper Verlag war Hans Rößner dort Verlagsleiter. Von dessen Karriere als SS-Obersturmbannführer und Kulturreferatsleiter im Reichssicherheitshauptamt hat Hannah Arendt zeitlebens nichts erfahren. Arendt bezeichnet Eichmann als normalen Menschen. Abgesehen davon, dass er eine Karriere im SS-Apparat machen wollte, hatte er kein Motiv, vor allem war er nicht übermäßig antisemitisch.

Er war psychisch normal, kein Dämon oder Ungeheuer. Er erfüllte nur seine Pflicht, er hat nicht nur Befehlen gehorcht, sondern dem Gesetz gehorcht. Das Buch beruht auf Prozessunterlagen, die Arendt wie allen anderen Berichterstattern vom Gericht zur Verfügung gestellt wurden, sowie geringfügig auf Eichmanns Interview mit Willem Sassen in der gereinigten LIFE-Fassung. Arendt betont das Neue an den von Eichmann und den übrigen Nazi-Deutschen verübten Verbrechen, dieses Neue stellte auch das Jerusalemer Gericht vor besondere Herausforderungen. Die Angriffe bedeuteten für Arendt einen weiteren biographischen Wendepunkt, vergleichbar ihrer Flucht 1933 aus Deutschland und 1941 aus Europa.

Dutzende von Bekannten und Freunden distanzierten sich. Figur verknüpft die Generationen von Großvätern und Enkeln. Missinterpretation, Arendt rede die Naziverbrechen klein. Eichmann ist ein Typus der arbeitsteiligen Moderne, das Böse in der von ihm verübten Form ist potentiell weitverbreitet. Bindungslosigkeit, Arbeitsteilung und bürokratische Anonymität bezeichnet wird. Das Nazitum verwirklichte diese zuvor nur latente Gefahr, und seine Wirkung auf die Menschen der meisten Länder schätzt Arendt hoch ein. Es ging ihm um die Vernichtung des Menschen als solchen.

Fazit von der furchtbaren Banalität des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert. Ausgabe des Buches erschien erst im Jahr 2000. Einrichtungen zu lange staatsgläubig gewesen seien, den Staat als Schutzinstanz verstanden hätten, sich deshalb auch an Ordnungsaufgaben aller Art, insbesondere der listenmäßigen Erfassung von Personen und Eigentum beteiligt hätten. Teil der überlebenden jüdischen hohen Funktionäre spielte später eine Rolle im Staat Israel, dessen Gründung in dieser nationalen Form Arendt kritisch sah.

Die Abneigung zwischen den Funktionären und Arendt war wechselseitig. Für Arendt bedeuteten die organisierten Angriffe wegen ihrer Äußerungen, zusammen mit einem Unfall, den sie zu dieser Zeit erlitt, eine psychische Belastung. Sie gewann allerdings Einblicke in das Lobbytum in den USA, den Einfluss organisierter Interessengruppen, was ihr späteres politisches Denken prägte. Sie setzte theoretisch zunehmend auf das Denken des Einzelnen in politischen Dingen und auf spontane Widerstandshandlungen gegen Unrecht.

Die Lehre solcher Geschichten lautet, politisch gesprochen, dass unter den Bedingungen des Terrors die meisten Leute sich fügen, einige aber nicht. Arendt sah in der Frage der jüdischen Kollaboration vor allem ein Mentalitätsproblem der jüdischen Opfer, die der Realität der kommenden Vernichtung allzu lange nicht ins Auge sehen wollten. Als sie realistisch erkannt hatte, dass es einen solchen Gerichtshof in absehbarer Zeit nicht geben wird, war sie mit dem Prozess in Jerusalem einverstanden, hat aber vor allem im Epilog darüber reflektiert, wie es hätte anders laufen können. Konsequenz aus den Nürnberger Prozessen, nicht mehr, aber auch nicht weniger: der Jerusalemer Prozess habe trotz seiner nationalen Begrenztheit die Weltöffentlichkeit informiert, den moralischen Zusammenbruch Deutschlands weltweit offenbart und allgemein das politische Denken, das Denken in Verantwortung, gefördert. Bereits der Bericht von Arendt als Reporterin der Zeitschrift The New Yorker über den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem rief heftige Kontroversen hauptsächlich in den USA, Israel und Deutschland hervor.