Die Gewalt spricht nicht PDF

Allgemeinwissen, dass die Zehn Gebote keinen speziellen religiösen Charakter haben, sondern allgemeingültig für alle Menschen seien. Das gilt ganz klar für die letzten sieben Gebote, die die Gewalt spricht nicht PDF Zusammenleben der Menschen ordnen. Diese Gebote sind tatsächlich Grundlage der meisten modernen Staaten und deren bürgerliche Gesetzgebung. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!


Författare: Jan Philipp Reemtsma.
Jan Philipp Reemtsma, Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, versammelt in diesem Band drei Reden über das Thema Nationalsozialismus und sein Fortwirken, die Verflechtung von Nacht und Gewalt sowie über das Verhältnis zwischen Opfern und Tätern bzw. die Rolle des Staates und der Justiz.

Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren! Dennoch sind gerade diese Gebote keineswegs irrelevant für unsere moderne Welt – ja, sie sind sogar der Grund dafür, dass es unsere moderne Welt, die Naturwissenschaften und den modernen Staat überhaupt gibt. Diese Katechese ist der zweite Teil von drei zusammenhängenden Katechesen zu den ersten drei Gebote. Vorbemerkung: Wenn das erste Gebot verbietet, die Welt zu vergöttlichen, dann kann man das zweite Gebot in der Konsequenz als Verbot, Gott zu verweltlichen bezeichnen. Das zweite Gebot: Gott ist nicht der Diener unserer Welt.

Verzwecke also Gott nicht für dein Wohlergehen! Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht. Ich rufe Gott als Zeugen an! Meineide hatten in früheren Gesellschaften ohne ausgefeiltes Gerichtswesen viel verheerendere Folgen als heute. Der rechte Gebrauch des göttlichen Namens. Das Verbot, den Namen Gottes zu missbrauchen, setzt allerdings voraus, dass es schon grundsätzlich möglich war, im Namen Gottes zu handeln oder zu reden. Fluch grundsätzlich oder der Segen, sondern das Verfluchen eines unschuldigen Menschen oder der Segen über eine gottwidrige Sache.

Ich sage euch: Schwört überhaupt nicht! Christ grundsätzlich zu höchster Wahrhaftigkeit verpflichtet. Nicht etwa nur, wenn er zuvor den Namen Gottes angerufen hatte oder sein Wort durch Handschlag oder ähnliche Bekräftigungen besiegelte. Der Namen Gottes steht in diesem Gebot zunächst für Gott selbst. Wer den Namen Gottes verunehrt, der verunehrt Gott. Jedoch ist die Verwendung von Namen Gottes als Synonym für Gott nicht einfach nur eine sprachliche Variante, sondern schon eine religionsgeschichtlich wichtige Unterscheidung. Das Judentum hat verstand Gott als so jenseitig und transzendent, dass es sich scheute, ihn direkt in dieser Welt zu lokalisieren.

Das wurde zum Beispiel im Tempel in Jerusalem gefeiert, in dem nur einmal jährlich einer der Tempelpriester, der per Los ausgewählt wurde, in das Allerheiligste treten durfte, dort das Opfer darbringen musste und nur dort den Namen Gottes dreimal aussprechen durfte. Nur durch diese Zeremonie wurde der ausgesprochene Name Gottes vom Priester an seinen Nachfolger weitergegeben. Mächte dieser Welt, die man auf irgendeine Weise handhaben könnte: Der Flussgott muss besänftigt werden, der Wettergott gnädig gestimmt und der Kriegsgott erhält den Anteil an seiner Beute. Im Film Schwester Sonne, Bruder Mond über den Heiligen Franziskus wird dessem Vater der Gedanke in den Mund gelegt, nach einem Krieg von Assisi gegen Perugia vom erhofften Gewinn immer auch eine entsprechende Summe zur Tilgung der Sünden und dem Gewinn eines Ablasses abzuziehen.