Die dritte industrielle Revolution und die Krise des Kapitalismus PDF

Kernprobleme der sozialen Frage waren der Pauperismus und die Existenzunsicherheit von Bauern, ländlichem Die dritte industrielle Revolution und die Krise des Kapitalismus PDF, Handwerkern, Arbeitern und kleinen Kontorangestellten. Im Laufe der Zeit verschoben sich die Problemlagen.


Författare: Rainer Diederichs.
Kern jeder Zusammenbruchstheorie ist die Annahme, dass der Kapitalismus an seiner eigenen Dynamik scheitern muss: an einem bestimmten Punkt seiner Entwicklung werde er sich selbst zur Schranke. Bereits im 19. Jahrhundert hat Karl Marx eine solche Möglichkeit angedeutet. Seither wurde der Gedanke immer wieder aufgegriffen. Zuletzt im Hinblick auf die Dritte Industrielle Revolution und die mit ihr einhergehende Krise der Arbeitsgesellschaft. In den Werken von Theoretikern wie Ernest Mandel ("Der Spätkapitalismus") und Robert Kurz ("Schwarzbuch Kapitalismus") wird das baldige Ende der kapitalistischen Produktionsweise angekündigt. Doch ist wirklich damit zu rechnen? Wie stichhaltig sind die Argumente der Zusammenbruchstheoretiker? Kann der Kapitalismus überhaupt einfach "aufhören"? Und wenn ja – was käme danach? Rainer Diederichs setzt sich mit der Diskussion über diese Fragen auseinander und unternimmt dabei einen Streifzug durch die Geschichte des zusammenbruchstheoretischen Denkens von seinen Anfängen bis zur Gegenwart.

Etwa zwischen den 1850er und den 1870er Jahren erfuhr die Industrie einen starken Aufschwung, während sich der Niedergang des Heimgewerbes und die Krise des Handwerks fortsetzten. Zunächst wird der Terminus in der deutschsprachigen Literatur als Übersetzung des französischen question sociale verwendet, um die gesellschaftliche Situation in anderen Staaten Westeuropas darzustellen. Ein erster Nachweis findet sich in der am 30. April 1840 in Augsburg erschienenen Korrespondenz Heinrich Heines aus Paris.

Die soziale Frage ergab sich aus der Notlage wirtschaftlich schwacher sozialer Gruppierungen. Zu den Hauptursachen zählten ein sich beschleunigendes Bevölkerungswachstum sowie die Folgen von Bauernbefreiung und Gewerbefreiheit. Die überwiegend noch auf dem Lande lebende Bevölkerung wuchs in Europa nach 1815 ungewöhnlich stark an. Gründe dafür könnten in der gesamteuropäischen Klimaerwärmung liegen, die von den 1780er Jahren an sicherere Ernten ermöglichte. Medizinische und hygienische Fortschritte trugen zum Bevölkerungswachstum bei, z.

Die Bauernbefreiung durch Aufhebung der Grundherrschaft erzwang von den Landwirten eine Abgeltung alter Frondienste, die oft in der Form von Landabtretung geschah. Die Brisanz der sozialen Frage ergab sich aus dem als völlig neuartig und radikal empfundenen sozialen Wandel. Die allmähliche Auflösung der traditionellen sozialen Gemeinschaften wie etwa der Großfamilie oder der Bindung an den Grundherrn zerriss auch die traditionell eng verflochtenen sozialen Netze. Durch das Angebot an Arbeitskräften aus dem Zustrom überzähliger Landarbeiter und in der industriellen Konkurrenz unterlegener Handwerker konnten Unternehmer teilweise mit Löhnen nahe dem Existenzminimum produzieren und erzielten einen bis heute unerreichten relativen Reichtum. Die Arbeitsbedingungen waren schwer und es herrschte strenge Arbeitsdisziplin. Arbeiter, die aufbegehrten oder arbeitsunfähig waren, konnten mangels wirksamer Arbeitsmarktgesetzgebung durch neue Landflüchtlinge ersetzt werden. Das Durchschnittsalter der Industriearbeiter in Manchester lag bei nur 18 Jahren.

Die Arbeiter verdienten oftmals zu wenig, um ihre Familie zu ernähren. Familien auch Frauen und Kinder Lohnarbeiten annehmen. Frauen arbeiteten in Heimarbeit, anstatt wie früher im Verlagssystem, sowie in der bedeutenden Textilindustrie. Die Kinderarbeit gibt es in der ländlichen Familienwirtschaft seit Menschengedenken, aber mit der Industrialisierung nahm sie im 18. Jahrhundert in Europa und den USA Ausmaße an, die die Gesundheit und Bildung der Arbeiterkinder massiv beeinträchtigte.

1833 wurde das erste Gesetz zum Schutz der Kinder in England erlassen: Arbeitsverbot für Kinder unter neun Jahren in Textilfabriken, Nachtarbeitsverbot und maximal 12-Stunden-Tag für Jugendliche unter 18 Jahren. Durch das Wachstum der Städte wuchs auch die Wohnungsnot. Es bildeten sich Slums, behelfsmäßige Wohnbezirke ohne Anbindung an die städtische Infrastruktur sowie Mietskasernen. Zudem war es üblich, sich ein Bett im Schichtbetrieb mit einem Schlafburschen zu teilen.

Zudem erließ der Gesetzgeber nach und nach zahlreiche Gesetze und Verordnungen und gründete zu deren Durchsetzung neue Exekutiven, die schließlich in der umfangreichen Sozialgesetzgebung heutiger Industrienationen mündete. Die drängenden Probleme führten zu einer vielfältigen gesellschaftlichen Mobilisierung und Politisierung, die je nach sozialer Interessenlage und Sicht unterschiedliche Lösungsansätze hervorbrachten. Dienste einrichteten und die Löhne etwas anhoben. Antworten auf die soziale Frage mit jeweils eigener Strategie der Problembekämpfung. Die staatliche Sozialpolitik des Deutschen Reiches versuchte eine Entschärfung dieser Konflikte durch Sozialreformen.