Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen PDF

Schätzungsweise drei Millionen deutsche und österreichische Soldaten waren von 1941 bis 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten. In der Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen PDF Konferenz von Moskau vereinbarten die Außenminister der Alliierten am 23.


Författare: Ludwig Peters.
Im Mai 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, begann für die meisten Deutschen eine jahrelange Not– und Leidenszeit. Zu der Gruppe, die wohl das schwerste Schicksal zu tragen hatte, gehörten die deutschen Kriegsgefangenen – und zwar sowohl im Osten als auch im Westen. Ihr schweres Los geriet dennoch in den folgenden Jahrzehnten weithin in Vergessenheit, wurde in der Öffentlichkeit verschwiegen, verdrängt, verharmlost – oder sogar geschmäht. Eine im Auftrag der Bundesregierung in den fünfziger Jahren erstellte amtliche Dokumentation wurde lange Zeit zurückgehalten und kam dann im Volk kaum zur Wirkung. Kein deutscher Historiker hat sich eingehend mit diesem Thema befaßt, obwohl es Millionen von deutschen Opfern betraf. Man wollte die dabei notwendigerweise zur Sprache kommenden Verbrechen der Alliierten nicht anrühren, wollte nicht ›aufrechnen‹, es sollte eben nur deutsche Schuld kultiviert werden.
Um so notwendiger ist es, mehr als 50 Jahre nach dem damaligen Geschehen das ganze Ausmaß dieser Leiden vor der Geschichte festzuhalten und damit den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dieses Buch will einer nachwachsenden Generation das ganze Maß von Not und Elend nahebringen, das bis zu einem Jahrzehnt lang nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für viele lebensbestimmend wurde. Es soll daran erinnern, daß Millionen gefangener deutscher Soldaten in völkerrechtswidriger Weise im Mai 1945 ihres Status als Kriegsgefangene beraubt wurden, damit man sie noch jahrelang – in Ost und West – als billige Arbeitssklaven ausbeuten konnte. Unter bewußtem Bruch bisher geltenden Völkerrechts und bis dahin international anerkannter Kriegsordnung wurden sie als menschliche Reparationen ausgenutzt, wobei Millionen noch im ›Frieden‹ jämmerlich durch Hunger und Seuchen, bei Schwerstarbeit und unmenschlicher Behandlung ums Leben kamen. In grausamer Fortsetzung des Vernichtungskrieges gegen alle Deutschen ließen insbesondere die Amerikaner unter General Eisenhower planmäßig Hunderttausende verhungern – die ›Rheinwiesenlager‹ wurden zum Symbol dieser Massenvernichtung, nachdem die Waffen niedergelegt waren.
Dieses Buch gibt mit Zahlen und Statistiken, mit Erlebnisberichten und Erinnerungen ein wirklichkeitsnahes Bild der damaligen, heute in ihrer Grausamkeit kaum noch vorstellbaren Verhältnisse. Unter Verarbeitung neuer Quellen werden auch bisherige Fehlurteile und manche Lücken im Wissen um das damalige Geschehen ausgefüllt. So kann über den Verbleib einiger hunderttausend bisher ›fehlender‹ deutscher Kriegsgefangener nun eine Aussage gemacht werden – eine Anregung auch für die Forschung, hier noch weiterzuarbeiten.
Noch leben viele der vor 50 Jahren jungen Kriegsgefangenen. Für sie ist dieses Buch eine wertvolle Erinnerung und eine gewisse Rechtfertigung gegenüber nicht selten vorkommenden Schmähungen. Für ihre Kinder und Enkel bietet es eine objektive Schilderung über das Schicksal der Väter und Großväter sowie eine notwendige Information über die jüngere Vergangenheit. Für beide Generationen bildet es eine unverzichtbare Brücke zur gegenseitigen Achtung und zum gegenseitigen Verständnis, an dem es heute leider so oft mangelt. Zugleich soll das Buch ein Denkmal für die großen Opfer sein, die gerade die Gruppe der Kriegsgefangenen – auch stellvertretend für alle, die ein gütiges Geschick davor bewahrte – bringen mußte, weil sie Deutsche waren und ihre Treue gegenüber Volk und Vaterland bis zum Ende des Krieges gehalten hatten. Auch deswegen sollen und dürfen sie nicht vergessen werden.

April 1947, dass bis dahin noch nicht freigelassene Kriegsgefangene bis Ende 1948 in ihre Heimat zurückkehren sollten. Der sowjetische Außenminister Molotow gab außerdem bekannt, dass 1. 974 Kriegsgefangene bis zu diesem Zeitpunkt in ihre Heimat entlassen worden seien. Man einigte sich schließlich auf die Freilassung der Gefangenen. Tatsächlich waren aber nach Berechnung der britischen Alliierten bis Ende 1948 mehrere Hunderttausend noch in sowjetischen Lagern, vorgeblich wegen der massiven Kriegsschäden, die das sowjetische Territorium erlitten hatte und die die Kriegsgefangenen mit ihrer Arbeitskraft beheben sollten. Ungefähr zwei Millionen Gefangene kehrten aus der Sowjetunion zurück.

Gesetzgeber alle ehemaligen Kriegsgefangenen bezeichnet, die nach dem 31. Für diesen Personenkreis gab es nach dem Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz eine Entschädigung von 30 DM je Gefangenschaftsmonat ab dem 1. Die Behandlung der Heimkehrer in Deutschland erfuhr einen Wandel. Während die ersten Freigelassenen aus der Sowjetunion noch meist feierlich empfangen wurden, ließ die Aufmerksamkeit schnell nach.

In der DDR war den ehemaligen Gefangenen zudem verboten, über ihre Lagererlebnisse zu berichten, um kein schlechtes Licht auf die Sowjetunion zu werfen. Heimkehrern eine sonderliche Stütze zu geben, damit ihre Hoffnung auf das neue und freie Leben nicht in Enttäuschungen zerrieben werde. Der Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands, gegründet 1950, machte auf die Situation der Kriegsgefangenen und Internierten aufmerksam und setzte sich für deren Freilassung ein. Er unterstützte die Heimkehrer bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Die Mutter eines Kriegsgefangenen dankt Bundeskanzler Konrad Adenauer nach seiner Rückkehr aus Moskau am 14.

Die Frage nach dem Schicksal der Gefangenen gehörte zu den drängendsten Problemen der deutschen Öffentlichkeit der Nachkriegsjahre. Mit zahlreichen Denkmälern und Demonstrationen wurde immer wieder auf dieses Schicksal hingewiesen. Im Juni 1955 hatte die sowjetische Botschaft in Paris mit der dortigen deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen und eine Einladung an Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau übergeben. Angesichts Adenauers konsequenter, auch militärischer Westbindung war diese Einladung eine Sensation.