Das schöne Gegengewicht der Welt PDF

Juli 1709 geborene Wilhelmine Sophie Friederike wurde am 12. Ihre Taufpaten waren die anlässlich des sogenannten Dreikönigstreffens bei Friedrich I. Wilhelmine wuchs am spartanisch das schöne Gegengewicht der Welt PDF Hof ihres Vaters, des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. Memoiren verdeutlichen in einer problembelasteten Umgebung.


Författare: Birgit Haustedt.
Venedig – für Rainer Maria Rilke »das schöne Gegengewicht der Welt«. Mit Gondel und Vaporetto, meist jedoch zu Fuß erkundete er die Lagunenstadt, seinen Sehnsuchtsort. Markusplatz und Lido inspirierten ihn ebenso wie eine verlassene Großwerft, das Arsenal, er wohnte in einfachen Pensionen ebenso wie in prächtigen Palazzi venezianischer Mäzene. Rilke ging eigene Wege unabhängig von den »rechthaberischen Sternchen« im Baedeker, und er »nahm alles anders auf als gewöhnliche Menschen«, so Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe, seine Gastgeberin am Canal Grande.

Birgit Haustedt hat die Neuausgabe ihres Erfolgsbuchs grundlegend aktualisiert und erweitert.


»So kann man in diesem liebevoll und sachkundig gemachten Büchlein über beide viel erfahren: die Stadt und den Dichter!«, schrieb die Zeit über die Erstausgabe.

Sie wurde schon als Kind zum Spielball politischer Ambitionen. Unter ihr hatte das Kind fast genauso zu leiden wie unter den Eltern. Ich hatte vor der Leti Angst wie vor dem Feuer. Oft schlug sie mich und behandelte mich grob. Es verging kein Tag, an dem sie nicht die gefürchtete Kraft ihrer Fäuste an mir erprobte.

Sie war zu raffiniert, um nicht zu merken, dass ich instruiert war, und um es heraus zu bekommen, erwies sie mir alle erdenklichen Schmeicheleien. Doch als sie sah, dass sie bei mir im Guten nichts erreichte, geriet sie in schreckliche Wut, versetzte mir mehrere Schläge auf den Arm und stürzte mich die Estrade hinunter. Schimpfwort, mit dem sie die Königin nicht bedachte: Gewöhnlich nannte sie sie die große Eselin. Wilhelmine wagte sich niemandem anzuvertrauen und brach schließlich mit einer Gallenkolik zusammen. An der nachfolgenden Gelbsucht laborierte sie monatelang.

Die Mutter schien von den Qualen ihres ältesten Kindes nichts gemerkt zu haben. Aus Wilhelmines Briefen an ihren Vater ist erkennbar, dass sie anfangs ein gutes Verhältnis zu ihm hatte, er weilte aber nur selten bei seiner Familie. Hauptsächlich litt sie, wie offenbar die ganze Familie, unter seinen Launen. Die Geschwister wurden über ein Jahr lang streng isoliert festgehalten. Ihr Vater König Friedrich Wilhelm I. Der König setzte in der Folge die Verheiratung seiner Tochter Wilhelmine mit aufgrund dieses Prozesses verschärften Maßnahmen durch: Minister von Grumbkow hatte Wilhelmines Hofmeisterin Dorothea Luise von Wittenhorst-Sonsfeld zu informieren, ihren Schützling so zu bearbeiten, dass sie dem väterlichen Befehl Folge leiste, um den Familienfrieden wiederherzustellen.

Wilhelmine konnte die Abreise aus Berlin gar nicht mehr erwarten, sodass sie sich, obwohl im zweiten Monat schwanger, am 11. Januar 1732 auf die gefahrvolle Reise nach Bayreuth begab. Dort wurde jedoch ihre Hoffnung auf den ihr als großartig beschriebenen Hof gänzlich enttäuscht. Darüber lässt sie sich in ihren Memoiren aus, in denen sie ihre neuen Untertanen als Bauern ohne jegliche Lebensart bezeichnet. Nach dem Tod ihres Schwiegervaters Georg Friedrich Karl hatte die Markgräfin wesentlichen Anteil an der Modernisierung des Landes. So unterstützte sie ihren Mann dabei, das Korruptionsgeflecht des Bayreuther Hofes zu entwirren und ein Gegengewicht für den politisch unerfahrenen Markgrafen zu den Beamten des verstorbenen Schwiegervaters zu bilden.