Das gezeichnete und ausgezeichnete Subjekt PDF

Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel. Der von Bertolt Brecht 1926 geprägte Das gezeichnete und ausgezeichnete Subjekt PDF episches Theater verbindet zwei literarische Gattungen, das Drama und die Epik, also theatralische und erzählende Formen der Literatur.


Författare: Erika Süllwold.
Das Werk von Emmy Hennings und Hugo Ball im Vergleich zu behandeln, dafür spricht mehr als die persönliche Verbindung zwischen beiden. Die unkonventionelle Ausprägung dieser Paarbeziehung ist eingebunden in die epochale Geschichte und Politik am Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihr Schreiben ist bezogen auf die Auseinandersetzung mit einer gesellschaftlichen Ordnung, die den Weltkrieg beförderte. Emmy Hennings und Hugo Ball suchen auszubrechen aus den Traditionen, aus denen eine zerstörerische Moderne erwuchs. Ein Verlangen nach wahrer Präsenz, nach einer authentischen Existenz ist für das so deutlich durch Avantgarde und Konversion zum Katholizismus geschiedene Werk und Leben des Paares im Ganzen ausschlaggebend. Der Aufbruch und Ausbruch aus vorgegebenen Rollen demonstriert bei der Gleichheit der Ziele die Differenz der Geschlechter, eine Spannung, die in der vorliegenden Studie besonders interessiert.

Das epische Theater bricht mit Qualitätsvorstellungen, die erzählende Elemente auf der Bühne als unzureichende Umsetzung in lebendiges Spiel abwerteten. Erwin Piscator und Bertolt Brecht setzten erzählende Elemente bewusst anders ein: Sie durchbrachen die Bühnenrealität. Die avantgardistische Piscator-Bühne der Zwanziger Jahre verwendete moderne Technik: Simultanbühnen, die mehrere Aspekte des Geschehens gleichzeitig präsentierten, Laufbänder, Drehscheiben und bewegliche Brücken. Damit steht das epische Theater im Gegensatz zum aristotelischen Theater, welches das Ziel verfolgte, den Zuschauer durch Einfühlen in das Gesehene zu läutern, einen Prozess, den Aristoteles als Katharsis bezeichnete.

Das epische Theater will den Zuschauer zu einer distanzierten und kritischen Betrachtung der Ereignisse auf der Bühne führen. Zugleich werden auch weitere Vorgaben der traditionellen Dramatik durchbrochen, etwa der klassische Aufbau des Dramas mit fünf Akten, einem vorgegebenen Spannungsbogen, einem Wendepunkt, einer Reduktion in Bezug auf Handlungsorte und Zeit des Geschehens. Verehrtes Publikum, jetzt kein Verdruß: Wir wissen wohl, das ist kein rechter Schluss. Unter der Hand nahm sie ein bitteres Ende. Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen Den Vorhang zu und alle Fragen offen. Brecht hat das Konzept des epischen Theaters stetig weiterentwickelt und den Bedürfnissen seiner Inszenierungspraxis angepasst. Obwohl er sein Konzept an einigen Punkten zusammenfassend darstellt, erschließt sich die Bandbreite von Brechts neuer Dramatik nur in einer Vielzahl verstreuter Dokumente, zum Teil in Modellbüchern zu Stücken, in Notizen und Typoskripten, in Briefen und Journalen.

Das epische Theater ist also als offenes Konzept zu verstehen. Das epische Theater Brechts und Piscators ist politisch engagiert. Das enge Korsett der traditionellen Dramatik wird gesprengt, weil beide komplexe politische Verhältnisse darstellen wollten. Brecht-Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann gibt an, Brecht habe die Idee 1926 im Kontext des Stücks Jae Fleischhacker entwickelt. Unabhängig vom Dissens um die Urheberschaft an den einzelnen Elementen des epischen Theaters steht die Bedeutung Piscators für die neue Form des Dramas außer Zweifel. Dramen Brechts verbunden wurde, führt Sarah Bryant-Bertail auf die ungeheure Wirkung der Inszenierung der Mutter Courage und die umfangreiche Dokumentation der Aufführung zurück.

Lange war die Poetik des Aristoteles einflussreich für das Verständnis des Dramas, auch wenn seine Grundsätze im Laufe der Geschichte immer wieder modifiziert wurden. Dabei wurde die Trennung der literarischen Gattungen regelmäßig zum Qualitätsmaßstab: Epos und Drama sollten in keinem Fall vermischt werden. In stilistischer Hinsicht ist das epische Theater nichts besonders Neues. Mit seinem Ausstellungscharakter und seiner Betonung des Artistischen ist es dem uralten asiatischen Theater verwandt. Lehrhafte Tendenzen zeigte sowohl das mittelalterliche Mysterienspiel als auch das klassische spanische und das Jesuitentheater. Minimum von Illusion, wozu die sparsame Dekoration und Unterbrechungen des Spiels gehören. Bruchstellen, wo das Neue seiner Zeit auf das Alte stieß.