Cello trifft Bogen PDF

Gedärm und allem, was dazu gehört, musiziert. Er begegnete dabei auch den umfassenden kraftstrotzenden Violinsonaten, von denen er am Montagabend fünf ins Programm aufnahm. Cello trifft Bogen PDF hören war Letzbors Ensemble für neue Barockmusik, Ars Antiqua Austria.


Författare: Heinrich Reents.
Was gibt es Interessanteres als die Beziehung zwischen Frau und Mann? Solange der Mensch existiert, ist Beziehung die Grundlage für Leben und Fortbestand. Aber auch für die Entwicklung des Einzelnen und den sich stets wandelnden Glücksbegriff in der Kultur. Über die konfrontative und diskursive Auseinandersetzung mit der Gegengeschlechtlichkeit und deren polarisierende Wirkung ist schon viel geschrieben worden. Die Autoren stellen mit ihrem Dialog über die mögliche Ekstase der brisanten Andersartigkeit von Frau und Mann eine vielversprechende und respektvolle Form der Annäherung vor, indem sie den inneren Reichtum des Einzelnen für sich selbst sprechen lassen. Das sich daraus entfaltende Spektrum der Fülle an Sichtweisen und Gefühlslagen gelingt hierbei zu einem Raum, der die Schönheit und das Potenzial von Partnerschaft und Liebe als reine Diversität aufnimmt und achtet. Denn wo könnte sonst hingeschaut werden, wenn nicht zu dem oder der Anderen, weil er oder sie in der Einzigartigkeit erscheint und darin funkelt? Was könnte mehr Neugier erwecken als das Andere gegenüber dem Eigenen? Und wie könnte Liebe begriffen und erlebt werden, wenn nicht durch die tiefe Betrachtung dessen, was und wie der Andere sieht, und das feine Lauschen auf das, wie der Andere das Leben erfährt?
Die Autoren eröffnen die Perspektive auf das reibungsfähige Miteinander als das brillante Zusammenspiel von Frau und Mann in der Analogie von Cello und Bogen, beide sind unterschiedlich genug und aufeinander so zugeschnitten, dass sie nur gemeinsam Sinn machen, also Musik, Liebe, Freude und Herausforderung. Und in all dem liegt das gemeinsame Herz der Schöpfung.

Entdeckungen sind es oft wert gemacht zu werden, aber selten war ich von einem Konzert so beeindruckt wie von diesem. Eine Freundin hatte mir den Besuch eines Konzertes des Ensembles empfohlen, doch als sie mir das Programm des Abends zeigte, war ich nur wenig angetan. Abendspielzettel, die allzu oft als süßliche, romantisch verklärte Kaufhausmusik aufgeführt würden. Die Empfehlung jedoch hatte nicht zu viel versprochen.

Ars Antiqua Austria nennt sich die 1995 gegründete Formation um ihren Leiter und Violin-Solisten Gunar Letzbor. Fug und Recht als Entdeckung bezeichnen kann. Sein kompositorischer Stil liegt sehr nahe bei Vivaldi, was zur Vermutung geführt hat, dass der junge Jiránek bei diesem studiert hat. Lehrer-Beziehung oder zumindest auf ein Verhältnis des Komponisten zum Kreis um Vivaldi schließen lässt. Bei der Interpretation des Konzerts legte Letzbor viel Wert auf eine Eigenschaft, die sich dieses Ensemble zu eigen gemacht hat.

Die Musiker bezeichnen sich selbst als Ensemble für neue Barockmusik, möchte Vergessenes zu neuem Klingen bringen, wollen aber auch Altbekanntes durch ihre Augen und Ohren neu beleuchtet wissen. Doch den Höhepunkt des Abends bildeten die vier Konzerte Le quattro stagioni von Antonio Vivaldi. Dankenswerterweise kam dabei das Publikum zu einem bimedialen Genuss, denn im Programmheft waren die anonymen Begleitgedichte zu den Konzerten Vivaldis abgedruckt, so dass auch ihr Programm deutlich gemacht wurde, wenngleich die Gedichte weit hinter Vivaldis musikalischer Leistung zurückstehen. Auch bei diesen Konzerten stand der Ausdruck, der bis zu fast rabiater Spielweise reichte, im Vordergrund. So ehrlich werden diese Konzerte selten musiziert. Bereits im ersten Satz von La primavera, der später in der Oper Il Giustino noch eine prominente Rolle spielen sollte, trat die Solo-Violine mit den Orchesterviolinen ins intensive Zwiegespräch und arbeitete den Vogelgesang besonders lebensecht heraus. Diesem Credo folgend gestalteten die Musiker mit hochimaginativem Spiel auch das tobende Sommergewitter und die herbstliche Jagd, die problemlos auch ohne Hörner auskommt.

Dieses Ensemble ist mehr als nur ein Geheimtipp für Liebhaber der barocken Musik. Züge und beziehen sich inhaltlich und formal auf das katholische Rosenkranzgebet. Andererseits aber sind die 15 Werke für Violine solo und Continuo- Gruppe nicht nur spieltechnisch viel zu spektakulär, als dass man während ihres Erklingens noch in der Lage wäre, sich in die vielen Vaterunser und Ave-Marias der Gebetskette zu vertiefen. Stadtkirche das Barockensemble Ars Antiqua Austria eine Auswahl aus dem Riesenzyklus. In sechs Werken zeigte Geiger Gunar Letzbor, welche experimentelle Kraft ihnen innewohnt. Kräftig zupackend mit Mut zu tonproduktionsbedingten Nebengeräuschen und kontrastreich in Klangfarbe, Ausdruck und Dynamik stürzte sich Letzbor in Bibers oft tonmalerisch garnierte Variationen, Tanzsätze, Improvisationen.